Legislating Architecture, Foto: aut
Ausstellung

Legislating Architecture

Architecting after Politics

Ein Projekt von Brandlhuber+ und Christopher Roth

Kategorie

Ausstellungen

Datum

14.03.2019 - 08.06.2019

Veranstaltungsort

aut.architektur und Tirol
Lois Welzenbacher Platz 1
6020 Innsbruck

Beschreibung

Wer gestaltet Gesetze? Was gestaltet Architektur? Wem gehört der Boden? Wer baut die Welt? Diese aktuellen Fragen nach der politischen Handlungsfähigkeit von ArchitektInnen stehen im Mittelpunkt von inzwischen drei Filmen, die in Kooperation zwischen Brandlhuber+, der kollaborativen Praxis des Architekten und Stadtplaners Arno Brandlhuber, und dem Künstler und Regisseur Christopher Roth entstanden sind. Architektur wird dabei nicht nur als gebaute Umwelt, sondern als gesellschaftliches Feld verstanden.

Öffnungszeiten:
Di - Fr: 11.00 bis 18.00 Uhr
Sa: 11.00 bis 17.00 Uhr
an Feiertagen geschlossen

Eine Ausstellung in Kooperation mit vai Vorarlberger Architektur Institut, Dornbirn sowie station+, DARCH, ETH Zürich.

Kontaktdaten

aut. architektur und tirol
Lois Welzenbacher Platz 1
6020 Innsbruck
T. +43.512.571567
F. +43.512.571567 12

presse@aut.cc
http://www.aut.cc

„In order to determine the major players with whom architects should engage, we have to ask the question: Who owns the ground and why? If we understand the verb ,architecting‘ as an action outside the explicit construction of buildings, and more as a reference towards agency in shaping future cities and politics, this film continues with the question: Who architects the city? Who are the new public and private agents and how can we, as architects, engage with them to either facilitate or resist their goals? Finally, which roles can we define for our profession?

Am Beginn stand mit dem 2016 auf der 15. Architekturbiennale in Venedig gezeigten Beitrag  „Legislating Architecture“ ein Zusammenschnitt von Gesprächen, die Arno Brandlhuber und Christopher Roth mit einer Reihe von ArchitektInnen – u. a. mit Marc Angélil, Sandra Bartoli, Tom Emerson, Isabella Fera, Christian Kerez, Gaetano Licata, Luigi Snozzi, Anna Yeboah – geführt haben. Im Fokus der Auseinandersetzung steht die Fragestellung, inwiefern Gesetze und Regeln – seien es konkrete Normen und Bauordnungen oder aber auch viel allgemeiner Sicherheitsvorschriften oder das Steuerrecht – die gebaute Umwelt und die Architekturpraxis prägen. Und umgekehrt, ob nicht auch ArchitektInnen maßgeblich daran mitwirken können, die Rahmenbedingungen selbst zu gestalten.

Der zweite, erstmals auf der Architekturbiennale 2017 in Chicago gezeigte Film fokussiert jene Thematik, die sich als die wesentliche Kernfrage herauskristallisierte, nämlich wem der Grund und Boden gehört, auf dem wir bauen. Eine Frage, die auf den ersten Blick trivial erscheint, jedoch bestimmend ist für alle Gesellschaften und deren Zusammenleben. Als Manifest zum Umgang mit Bodeneigentum stellt „The Property Drama“ einen Zusammenhang zwischen steigenden Grundstückspreisen und dem Zerfall sozialen Lebens in den Städten her. Zu Wort kommen wiederum international renommierte ArchitektInnen, die anhand konkreter Projekte aufzeigen, welche Auswirkungen die Spekulation mit Grundstücken hat und wie städteplanerisch damit umgegangen werden kann.

Der neue, erstmals 2018 im vai Vorarlberger Architektur Institut gezeigte Film „Architecting after Politics“ führt in Spielfilmlänge fort, was die beiden Kurzfilme begonnen haben und mündet in die entscheidende Frage unserer Zeit: Who architects? Wer baut die Welt? Durchaus kontroverse Antworten darauf liefern u. a. die Architektin und Aktivistin Phyllis Lambert, der „Anarcho-Kapitalist“ Patrick Schumacher, der legendäre deutsche Sozialdemokrat Hans-Jochen Vogel, die amerikanische Architektin, Theoretikerin und Autorin Keller Easterling und der flämische Baumeister Leo van Broeck. Anhand von vielfältigen Fallbeispielen und Interviews vermittelt der Film die Komplexität von Entscheidungsstrukturen innerhalb von Architektur und Bauwesen, spannt den Bogen von der Politisierung der ArchitektInnen über den Demokratie- vs. Freiheitsgedanken bis hin zu einem neuen Verständnis von Verantwortung und zu alternativen architektonischen Modellen. Er führt etwa nach London, wo Margaret Thatchers „Right to Buy“ und die damit einhergehende Privatisierung zur Zerstörung öffentlicher Infrastrukturen führte, oder nach Lech, wo der Tourismus die räumliche Existenzgrundlage der einheimischen Bevölkerung gefährdet.

Formal orientiert sich „Architecting after Politics“ an der von C. G. Jung und Wolfgang Pauli erdachten „quaternio“, einem Kreuz aus zwei sich jeweils polar gegenüberstehenden Begriffspaaren, die sich diametral ergänzen. Dieses ganzheitliche Denkmodell wird zum Werkzeug, um die großen Themenfelder wie die Bodenfrage, die Debatte um Eigentum und Zugänglichkeit, die Frage nach Gemeinschaft, Gemeinwohl und Governance-Modellen in Zeiten von Post-Politics abzustecken und greifbar zu machen. Gegenteilige und sich gleichsam bedingende Begriffspaare wie Öffentlichkeit vs. Privatheit, Homogenität vs. Heterogenität, Eigenbild vs. Fremdbild, Fiktion vs. Realität, Stadt vs. Land usw. ziehen sich durch den Film und verknüpfen sich mit Erzählungen zugehöriger Personen, Fälle und Projekte.

Die Ausstellung „Legislating Architecture | Architecting after Politics“ im aut baut auf der für das vai konzipierten, gleichnamigen Ausstellung auf. In räumlich und inhaltlich erweiterter Form werden die verschiedenen Themenfelder innerhalb der Auseinandersetzung mit Architektur, Politik und Wirtschaft vorgestellt und entlang eines Parcours einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die räumliche Inszenierung wird für das aut um ein Fernseh- und Lesezimmer ergänzt, in dem das Tun und Handeln zwischen Architektur und Politik im Vordergrund stehen und die Besucherinnen gefordert werden: Don´t complain. Design a strong argument!

Begleitet und erweitert wird die Ausstellung durch Vorträge von Arno Brandlhuber, Christoph Chorherr, Momoyo Kaijima (Atelier Bow Wow) und Stéphanie Bru / Alexandre Theriot (Bruther), die sich verschiedenen Aspekten von Raumproduktion im Kontext von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft widmen.

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