Anton Christian
Tiroler Volksschauspiele Telfs 2019

Verkaufte Heimat

Felix Mitterer gedenkt mit „Verkaufte Heimat: Das Gedächtnis der Häuser“ der Option in Südtirol vor achtzig Jahren. Premiere ist am 25. Juli 2019 in Telfs. Fotos: Günther Egger, Anton Christian, Klaus Rohrmoser

Die Option, literarisch aufbereitet

Geschichtsträchtig ist das Jahr 2019 in mehrfacher Hinsicht, vor allem die Ereignisse vor hundert bzw. achtzig Jahren haben Tirol und seine weitere Entwicklung bis heute entscheidend geprägt. Im Friedensvertrag von Saint-Germain 1919 nach dem Ersten Weltkrieg wurde unter anderem Tirol geteilt, Südtirol gehört seither zu Italien. Zwanzig Jahre später vereinbarten das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien, dass die deutschsprachige Bevölkerung entweder nach Deutschland übersiedeln sollte oder in Italien bleiben, aber ihre deutschsprachige Identität aufgeben sollte. Auch wenn nur ein Teil jener, die sich dafür entschieden Hatten, ihren Besitz zu verkaufen und das Land zu verlassen, tatsächlich übersiedelten, wirkt die sogenannte Option bis heute nach. Der Bruch in der Gesellschaft zwischen „Dableibern“ und „Optanten“, der mitten durch die Dörfer ging, war oft kaum zu kitten.

Klaus Rohrmoser
Südtiroler Siedlung Telfs
Geranien

Klaus Rohrmoser inszeniert in der Telfer Südtiroler Siedlung Felix Mitterers „Verkaufte Heimat: Das Gedächtnis der Häuser“. Geranien galten als Symbol für die Heimat Südtirol. 

Theater vor Ort

Dass Felix Mitterer den Stoff für die Tiroler Volksschauspiele Telfs aufbereitet, ist nicht nur dem 80-jährigen Gedenken geschuldet, sondern auch der unmittelbaren Rolle, die Telfs als neuer Wohnort vieler Optierter spielte. (Vom Künstler Walter Pichler etwa, der als Kind mit seiner Familie nach Telfs ziehen musste, weil der Vater gegen den Willen der Mutter optiert hatte, gibt es einen erschütternden Bilderzyklus dazu.) Mitterer, der die Option bereits 1989 ausgehend von den historischen Grundlagen im Fernsehzweiteiler „Verkaufte Heimat“ thematisiert hat, hat daraus ein Stück gebaut, das persönliche Erlebnisse und Tragödien zu einem Bühnenwerk verdichtet. Als außergewöhnlicher Aufführungsort steht den Tiroler Volksschauspielen Telfs die Südtiroler Siedlung in Telfs zur Verfügung, die mit Unterstützung der Neuen Heimat während der derzeitigen Neuerrichtung als Bühne genützt werden kann. So konnte Felix Mitterer einen neuen Aspekt, jenen des Einzugs einer Südtiroler Familie in die Siedlung, in das Stück einbauen. Neu ist auch ein Kunstprojekt im Rahmenprogramm, das Franz Wassermann für die Südtiroler Siedlung entwickelt. Der Tiroler Künstler greift – ähnlich wie Mitterer das in der Literatur macht – immer wieder historische oder aktuelle gesellschaftspolitische Themen auf: eine politische, kritische, bewusste Auseinandersetzung mit dem vergangenen und aktuellen Geschehen.

Felix Mitterer

Felix Mitterer in der Südtiroler Siedlung in Telfs, die derzeit von der Neuen Heimat nach und nach erneuert wird. Aus diesem Grund gibt es dort auch freie Räume zum Theaterspielen.

Verkaufte Heimat: Das Gedächtnis der Häuser

Tiroler Volksschauspiele Telfs, 25.7.–31.8.2019

Buchcover (Detail) © Haymon Verlag

Kartenreservierung
ab 1. April 2019 möglich unter:
Tel. +43 (0)5262 62013
E-Mail: kartenoffice@telfs.com

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