Totentanz Kramsach
Stahlskulptur von Makus Thurner

Totentanz im Licht

Ein seit 2018 bestehender 20 Meter langer Totentanzzyklus aus Stahl und Licht des Bildhauers Markus Thurner ist das jüngste Objekt auf dem Museumsfriedhof im Tiroler Kramsach.

Die letzten Dinge

Normalerweise ist der Museumsfriedhof in Kramsach für seine Sammlung alter schmiedeeiserner Grabkreuze bekannt, die mit manch unterhaltsamer Inschrift und einem Augenzwinkern an diejenigen erinnern, die einst darunterlagen. Doch wer sich vom Parkplatz der Sagzahnschmiede auf den Weg zum kleinen Wäldchen mit seinen historischen Kreuzen macht, passiert zunächst ein Areal, das mehr der inneren Einkehr und Stille im Angesicht des Todes gewidmet ist als der heiteren Seite des Vergangenen. Alte Kreuze und Grabsteine, eine Gruppe von Friedensglocken und marmorne Trauerdarstellungen erinnern an die letzten Dinge. Der jüngste Zuwachs ist eine hinterleuchtete Skulpturenwand aus rostigem Stahl, die der am Achensee lebende Bildhauer Markus Thurner im Auftrag der Sagzahnschmiede geschaffen hat: ein Totentanzzyklus, der mit zwanzig Metern Länge eine ganze Seite des Grundstücks einnimmt, tagsüber durch die rotbraune Farbe des Stahls wirkt, nachts durch die hinterlegte Beleuchtung.

Totentanz
Totentanz

Die Skulpturenwand von Markus Thurner ist 20 Meter lang.

Foto: Esther Pirchner

Zehn Tafeln
Zehn Tafeln …

… aus rostigem Stahl tragen jeweils einen Text und Zeichnungen in Cut-out-Technik.

Texte von Wilfried Schmickler
Texte von Wilfried Schmickler

Der Kabarettist Wilfried Schmickler übeließ Markus Thurner Texte aus seinem Kabarettprogamm „Das Letzte“.

Er tanzt
Er tanzt

Auf jeder Tafel begegnet der Tod einem Menschen.

Geiz ist geil und Hass ist krass,
Gier ist cool und Neid macht Spaß,
Alt ist arm und arm ist Flopp,
krank ist ex und ex ist hopp.

Wilfried Schmickler, aus: „Das Letzte“

Bildwerk in langer Tradition

Auf den zehn Bildtafeln zeigt Thurner Szenen, in denen der Tod jeweils einen Menschen zum Tanz auffordert, ihn hemmt oder mit sich zieht. Als Intermezzi zwischen den einzelnen Tafeln setzte er zwölf allegorische Figuren in Szene, von der Gleichgültigkeit bis zur Wut und dem Zorn. In gewisser Weise knüpft Thurner damit ganz unmittelbar an die jahrhundertelange Tradition von Totentanzdarstellungen an, wie Siegmund Kogler, Präsident der Europäischen Totentanzvereinigung, zu berichten weiß: „Der Kirche war es immer ein Anliegen, den Leuten die Endlichkeit des irdischen Daseins zu zeigen. Nachdem sie nicht lesen und schreiben konnten, hat man auf Friedhofsmauern und auf Kirchenmauern diese Darstellungen gemacht und so den Leuten gesagt: ,Wenn du nicht fromm lebst, dann wird es dir schlecht gehen.‘“

Totentanz
Engel
Blume

Historische Grabkreuze und der Totentanzzyklus von 2018 finden sich im Museumsfriedhof Kramsach Seite an Seite.
Fotos: Esther Pirchner

Der Tod als Satire

Ganz so bedrohlich ist der neue Totentanz jedoch nicht, schließlich stammt der Text, den Markus Thurner verwendet hat, aus dem Kabarettprogramm „Das Letzte“ von Wilfried Schmickler. Oft überzeichnet der deutsche Kabarettist in seinen Programmen das Bedrohliche, Ernste satirisch und nimmt ihm damit seine Spitze. Dass diese wenigen Sätze auf der skulpturalen Wand prangen, dürfte jedenfalls kein Zufall sein: Schließlich hat auch im Museumsfriedhof der Tod eine ernste und eine heitere Seite.

Museumsfriedhof
Grabinschriften …

… im Museumsfriedhof

Grabkreuz
Sammlerstücke

Die Betreiber des Museumsfriedhofs sammeln seit Jahrzehnten originelle Grabinschriften.

Im Wald
Im Wald

Ein kleines Wäldchen umgibt die Grabkreuze.

Grabkreuz
Ein Blitzeinschlag …

… raffte einst Schaf, Kalb und Bua dahin.

Grabkreuze
Vergoldet und verziert

Malereien und Vergoldungen sollten den Toten ein hübsches Andenken bewahren.

Lebensgeschichten
Ein ganzes Leben

Eine ganze tragische Lebensgeschichte fand in wenigen Verszeilen Platz.

Totentanz

Markus Thurner
Totentanz

Museumsfriedhof Tirol
Hagau 82
6233 Kramsach
Tel. 0043.5337.62447
E-Mail: office@museumsfriedhof.info

www.museumsfriedhof.info
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