Philip Glass bei Musik im Riesen
Philip Glass bei Musik im Riesen 2018

„Ein Vergnügen, das zu machen"

Mit einem großen Porträtkonzert von Philip Glass feierte das Festival „Musik im Riesen“ in Wattens am 25. Mai 2018 sein 15-jähriges Jubiläum. Text: Esther Pirchner
Fotos: Swarovski Kristallwelten

Große Namen bei Musik im Riesen

Ein „kleines Festival der großen Namen“ sei „Musik im Riesen“, betonte Stefan Isser, Geschäftsführer der D. Swarovski Tourism Services GmbH in seiner Rede zum Auftakt des Konzerts im neuen Schleifzentrum – Kristallfabrik der Zukunft. Von einem „kleinen“ Konzert konnte an diesem Abend zwar keine Rede sein, zugleich hätte man sich kein stimmigeres Fest (und keinen größeren Namen) für das 15-jährige Jubiläum vorstellen können als das Porträtkonzert für den US-amerikanischen Starkomponisten Philip Glass. In der mit 1.200 Besuchern bis zum letzten Platz gefüllten neuen Werkhalle, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich ist, gab es Klaviermusik in all ihren Facetten sowie ein Gitarrenquartett von Philip Glass zu hören, zum Auftakt gespielt von Schülern der Musikschule Wattens. Sie hatten dafür mit einer der Virtuosinnen des Festivals, der Pianistin Maki Namekawa im Rahmen des Masterclass-Projekts Impuls geprobt – im Übrigen ein Lieblingsprojekt von Thomas Larcher, dem künstlerischen Leiter von „Musik im Riesen“.

Maki und Dennis

Maki Namekawa und Dennis Russell Davies spielten Klavierkompositionen und Opernarrangements von Philip Glass vierhändig und auf zwei Klavieren

Impulse von den Jüngsten

„Mit den Kindern zu arbeiten, war eine so schöne Erfahrung für mich“, erzählt die Pianistin dann auch vor dem Konzert. „Es war so frisch und es gab so schöne Überraschungen. Viele der Stücke spiele ich selbst auf der Bühne. Wenn jemand anderer sie interpretiert, entdecke ich immer wieder etwas Neues – aber gerade von diesen kleinen Kindern, die so pur an diese Stücke herangehen, habe ich noch einmal sehr viel gelernt.“ Und mit einem Lachen bekennt sie, dass so ein Auftritt vor mehr als tausend Zuhörern nicht ohne Nervosität über die Bühne geht: „Als ich selbst ein Kind war und aufgetreten bin, war meine Mutter immer cool – selbst dann, wenn ich Fehler gemacht habe. Aber jetzt, wo diese Kinder auf die Bühne gehen, fühle ich mich gerade so wie eine Mutter: Ich bin aufgeregter, als wenn ich selbst auftrete.“

Kinder gehen so pur an diese Stücke von Philip Glass heran. Daraus habe ich selbst viel gelernt.

Maki Namekawa, Pianistin

Ein bis vier Klaviere

Die Gelegenheit, die Pianistin selbst spielen zu hören, gab es im Hauptkonzert, in dem sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Pianisten und Dirigenten Dennis Russell Davies auftrat – beide sind langjährige Freunde und musikalische Wegbegleiter von Philip Glass –, sowie mit ihren Kollegen Emanuele Torquati und Francesco Prode. Extrem selten ist, dass ein Veranstalter vier Konzertflügel organisiert und vier Pianisten engagiert. Seit der Uraufführung von Glass’ Stück „Two Movements for Four Pianos" 2013 beim Klavierfestival Ruhr war es das erste Mal, dass sich jemand die organisatorische Mühe gemacht, die Kosten getragen und so ermöglicht hatte, dass Namekawa, Davies, Torquati und Prode diese Komposition aufführen konnten.

Vier Klaviere

Außergewöhnliches Konzertsetting: vier Konzertflügel, vier Pianisten auf einer Bühne

Zum 2. Mal: Tirol Concerto

Dass Philip Glass nach der Pause selbst die Bühne betrat und das Solostück „Mad Rush“ interpretierte, sorgte für einen der emotionalsten Momente in diesem Konzert. Das musikalische Highlight bildete dennoch das „Tirol Concerto“ aus dem Jahr 2000, interpretiert von Maki Namekawa und dem Tiroler Kammerorchester InnStrumenti unter der Leitung von Dennis Russell Davis.

Entstanden war das „Tirol Concerto“ 2000 als Auftragswerk der Tirol Werbung, die Initiative dazu kam von Bettina Schlorhaufer von der Tirol Werbung, Thomas Larcher, damals künstlerischer Leiter der Klangspuren Schwaz, und Dennis Russell Davies, der diese Zeit als „eine wunderbare Episode“ in seinem Leben beschreibt. „Ich hatte damals mit dem Stuttgarter Kammerorchester, mit dem ich jahrelang zusammengespielt habe, einen wunderbaren Aufenthalt in Tirol.“ Die Zusammenarbeit mit Thomas Larcher ist ihm in guter Erinnerung und er ergänzt: „Wie wir gemeinsam Philip dazu gebracht haben, das Stück zu konzipieren und zu schreiben, das war schon intensiv.“

Dennis Russell Davies
Maki Namekawa
Philip Glass

Freunde und musikalische Gefährten seit vielen Jahren: Philip Glass (u.) und das Ehepaar Dennis Russell Davies und Maki Namekawa. Fotos: Reinhard Winkler/Heiko Sohn/Philip Glass

Philip Glass erinnert sich

Philip Glass selbst erinnert sich im Gespräch an die Vorbereitungen und lüftet zugleich ein kleines Geheimnis: „Die Komposition sollte eine Verbindung mit dem Ort haben, und so habe ich dich [Thomas Larcher] um Musik gefragt und du hast mir sechs oder sieben Lieder gegeben. Ich muss etwas gestehen – vielleicht sollte ich das auch nicht machen –, ich habe einen Takt umgeschrieben, eine kleine Veränderung vorgenommen.“ Die Idee dahinter, das Kirchenlied „Maria hilf“ in das Tirol Concerto einzubauen, sei gewesen, „dass die Leute, wenn das Stück in Tirol gespielt wird, sagen würden: ‚Oh, wir kennen dieses Lied!‘“ Zur Premiere reiste Glass damals nach Tirol und sah sich nicht nur begeisterten, sondern auch mit durchaus kritischen Stimmen konfrontiert. Dass das „Tirol Concerto“ vor allem in Kombination mit dem Imagefilm von Tirol von Georg Riha eines der wichtigsten Signets des Landes werden sollte, schien vielen damals nicht vorstellbar. „Das Stück sollte Interesse an Tirol wecken, es wurde geschrieben, um Aufmerksamkeit zu erregen, das Gehör der Leute auf sich zu ziehen. Es gibt eine Film zur Musik. Beides sollte Menschen für die Region interessieren“, beschrieb Philip Glass die damalige Intention.

It was supposed to promote interest in Tyrol. That Piece was written to catch the ear of people.

Philip Glass über das „Tirol Concerto“

Zum Schluss: Standing Ovations

Dass dieses Konzept schon längst aufgegangen ist und dass vor allem das im Film verwendete Thema aus dem zweiten Satz 2018 für viele Tiroler zu Tirol gehört, zeigte die Begeisterung der Zuhörer, als der letzte Ton verklungen war. Jubel und Standing Ovations zeigten Komponist und Interpreten, wie sehr das „Tirol Concerto“ hier verankert ist. Und was meint Philip Glass? „Es ist ein schöner Platz und es war tatsächlich ein Vergnügen, das zu machen.“

Tirol Concerto

Allgemeine Information

Musik im Riesen
Musik im Riesen

„Musik im Riesen“ bringt Jahr für Jahr international bekannte Solisten und hochkarätige Ensembles aus dem Bereich klassischer Musik in den Swarovski Kristallwelten in Wattens zusammen. Dabei wird unter der künstlerischen Leitung von Thomas Larcher große musikalische Qualität und Vielfalt auf kleinem Raum geboten, Weltstars in intimer Atmosphäre und Begegnungen mit altbekannten und überraschend neuen Kompositionen.

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