Designlautsprecher Strofeld aus Tirol
Designlautsprecher Strofeld

Ein Koffer voll Musik

Zwei junge Musikliebhaber haben sich dem Bau von Kofferlautsprechern verschrieben. Dabei geht es ihnen aber nicht nur um Design, sondern auch um optimalen Klang. Ein Besuch in der Werkstatt von Dominik Strobl und Jonathan Dornfeld. Text: Julia Tapfer
Bild: Axel Springer

Sind wir hier wirklich richtig? Das denkt sich wohl jeder, der das erste Mal Dominik Strobl und Jonathan Dornfeld in ihr Büro folgt. Zuerst muss man nämlich ein altes Badezimmer mit weiß-braun geblümten Fliesen durchschreiten. Der noch von der Wand hängende, alte Duschkopf versprüht seinen ganz eigenen Charme und passt in gewisser Weise auch zum Büroraum dahinter. Auch hier erzählen alte Gebrauchsgegenstände ihre ganz eigenen Geschichten. Auf dem Boden und in den Regalen türmen sich nämlich keine Aktenordner oder Büromaterial, sondern alte Koffer in allen Farben und Größen. Einige haben ihrer ursprünglichen Funktion bereits den Rücken gekehrt und beinhalten moderne Lautsprecherkomponenten, andere warten noch darauf, in die Werkstatt der beiden jungen Männer aus Bayern zu kommen und zu Designlautsprechern zu werden.

Die Vintage-Koffer stammen meist von Flohmärkten. Das wichtige dabei: Ein Koffer muss Charme haben.
Das Büro

Die Vintage-Koffer stammen meist von Flohmärkten. Das Wichtige dabei: Ein Koffer muss Charme haben.

Dominiks Großvater ist ein fleißiger Flohmarktgänger und bringt seinem Enkel immer wieder gerne einen schönen Koffer mit.
Die Koffer

Dominiks Großvater ist ein fleißiger Flohmarktgänger und bringt seinem Enkel immer wieder gern einen schönen Koffer mit.

Jeder Koffer ist ein Einzelstück.
Einzelstück

Jeder Koffer ist eine individuelle Maßanfertigung.

kleiner Lautsprecherkoffer
Handlich

Die kleinen Koffer eignen sich besonders gut als portable Lautsprecher.

Foto: Natália Zajačik

Der 26-jährige Jonathan ist ein Musikliebhaber und Bastler. Schon mit zwölf Jahren hat er an Lautsprechern rumgeschraubt und kleine Verstärker gebaut. Vor vier Jahren wollte er schließlich ein Gerät entwickeln, mit dem er sowohl zu Hause als auch unterwegs beim Slacklinen oder Grillen mit Freunden Musik hören konnte. „Kofferlautsprecher sind eigentlich nichts Neues“, erklärt er. Viele Sammler suchten sich etwa auf Flohmärkten schöne, alte Koffer und bauten darin alte Lautsprecherkomponenten ein. Dabei spiele aber vor allem die Ästhetik die Hauptrolle und der Klang werde oft vernachlässigt. Jonathan ist aber eine hohe Klangqualität sehr wichtig, weshalb er sich monatelang auf verschiedenen Portalen informiert hat, um die passenden Lautsprecher für seinen Koffer zu finden. Die Qualität müsse schließlich stimmen.

Jonathan Dornfeld und Dominik Strobl beim Interview

Jonathan Dornfeld (links) und Dominik Strobl auf der Terrasse der Kulturbackstube Bäckerei in Innsbruck. Der aus Bad Tölz stammende Jonathan schließt bald sein Wirtschaftsstudium in Innsbruck ab, Dominik – ebenfalls aus Bayern – hat hier Management, Communication & IT studiert. Während Jonathan eher der technikaffine Tüftler der beiden Gründer ist, bringt Dominik vor allem das betriebswissenschaftliche Wissen mit, um die Marke Strofeld weiterzuentwickeln und deren Produkte gut zu vermarkten.

Vom Hobby zum Start-up

Jonathans erster Kofferlautsprecher punktete bei seinen Freunden. Auch Dominik sah und hörte, was Jonathan gebaut hatte und war begeistert. Er wollte selbst auch so einen mobilen Lautsprecher bauen und tüftelte und bastelte gemeinsam mit Jonathan mehrere Tage in der Werkstatt. „Es hat so viel Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten, dass ich wusste, ich möchte mit ihm gemeinsam etwas realisieren.“ Dominik studierte gerade Management in Innsbruck und die Idee, alte Koffer zur hochwertigen Lautsprechern umzubauen, kam gerade recht, um sie im Rahmen des Creativity Award am MCI zu präsentieren. Die Designlautsprecher der beiden jungen Männer landeten bei diesem Ideenwettbewerb auf Platz 4 und durch eine Förderung des Gründungszentrums CAST war es Dominik und Jonathan im Juni 2016 möglich, ihr Start-up zu gründen und ein kleines Büro mit Werkstatt in der Kulturbackstube Bäckerei in Innsbruck zu beziehen. Der Firmenname Strofeld ist eine Kombination der Nachnamen der beiden Gründer. „Und er ist auch abgeleitet vom James-Bond-Bösewicht Blofeld“, fügt Dominik hinzu und lacht.

Dominiks erster Kofferlautsprecher
Die Anfänge

Das ist der erste Kofferlautsprecher, den Jonathan und Dominik gemeinsam gebaut haben.

Die Lautsprecher werden mit Akkus betrieben
Akkubetrieb

Weil die Lautsprecherkoffer mobil sein sollen, werden sie mit Akkus betrieben.

Die Bedienung der Lautsprecher ist einfach gehalten.
AUX und Bluetooth

Die Bedienung der Lautsprecher ist sehr einfach gehalten. Es gibt sowohl einen AUX-Anschluss als auch die Möglichkeit, Musik via Bluetooth zum Beispiel vom Handy zu übertragen.

Was einen guten Ton ausmacht
Klangqualität

Vereinfacht ausgedrückt, wirken sich vor allem drei Dinge auf einen guten Ton aus, erklärt Dominik: das Gehäuse, die verbauten Komponenten und die gute Abstimmung von beiden Teilen aufeinander.

Eine alte Uhr als Lautsprecher
Ein Besonderes Stück

Auch diese Uhr haben Strofeld in einen Lautsprecher verwandelt.

Foto: Robert Puteanu

Aus Koffern hochwertige Lautsprecher zu bauen, ist gar kein einfaches Unterfangen. Noch bevor Hand an den Koffer angelegt wird, wird er mit einem speziellen Computerprogramm simuliert, um das Volumen zu berechnen. Dann geht es darum, die richtigen Lautsprecher auszuwählen. Durch mittlerweile jahrelange Erfahrung weiß Jonathan, welche Komponenten sich wahrscheinlich für einen Koffer eignen könnten und worauf er achten muss. Vieles hat er auch einfach durch Ausprobieren gelernt.

Alles, was mitschwingt oder tscheppert, wirkt sich negativ auf den Klang aus.

Dominik Strobl

Um den Klang so wenig wie möglich zu verfälschen, ist es nötig, das Gehäuse des Koffers zu stabilisieren. „Alles, was mitschwingt oder tscheppert, wirkt sich negativ auf den Klang aus“, versucht Dominik möglichst einfach zu erklären, worauf es beim Lautsprecherbau ankommt. Jonathan baut in die Koffer meist ein spezielles Birkengehäuse zur Stabilisierung ein, um die Eigenschwingung des Koffergehäuses auf ein Minimum zu reduzieren.

Die passenden Lautsprecherkomponenten müssen für jeden Koffer individuell ausgesucht werden, erklärt Jonathan. Und selbst die gleichen Lautsprecher klingen in jedem Koffer wieder anders. Deshalb ist die Arbeit mit dem Einbau der Lautsprecherkomponenten auch noch nicht getan, sondern es folgt noch die Feinabstimmung. Mit einem Messsystem wird der Frequenzgang gemessen – danach werden digital Anpassungen vorgenommen. Und nicht zuletzt verlässt sich Jonathan auf sein Gehör. Dieses sei schließlich immer noch der beste Indikator dafür, ob ein Lautsprecher passt oder nicht.

Jonathan misst eine alte Kühltruhe aus.
Jonathan schneidet das Holz passend zu.
Das Werkzeug

Zwischen 15 und 60 Arbeitsstunden fließen in einen Kofferlautsprecher. Die Kosten für einen solchen variieren je nach Aufwand und eingebauten Komponenten. Die Preise starten ab 900 Euro.

 

Fotos: Axel Springer (2), Eric Walter (1)

Keine halben Sachen

Derzeit arbeiten Jonathan und Dominik gerade an Lautsprecher Nr. 63 und 64. Einer davon soll in eine alte Coca-Cola-Kühltruhe eingebaut werden. Wieder eine neue Herausforderung für Jonathan, der aber gerade diese liebt. Jeder Koffer sei anders und individuell, so lerne er bei jedem einzelnen etwas dazu. Was er gar nicht leiden kann? Zeitdruck. Denn dann arbeite man oft ungenau. „Ich bin extrem selbstkritisch und will keine halben Sachen machen“, sagt Jonathan. Sein Motto: Wenn man es nicht gut macht, kann man es auch gleich bleiben lassen.  

Während Jonathan stets werkelt und sich über die neuesten technischen Möglichkeiten im Lautsprecherbau informiert, ist Dominik gerade intensiv mit der Weiterentwicklung der Marke beschäftigt. Mit dem Upcycling der Koffer wollen die beiden nämlich nicht ihr ganzes Unternehmen aufbauen, sondern sehen dies als Sprungbrett, um Fuß im Design-Lautsprecherbau zu fassen. So haben sie bereits einen Prototyp eines Lautsprechers mit einem Gehäuse aus Holz und Leder gebaut, der gut in Hotels einsetzbar wäre. Bei dessen Entwicklung möchten sie vermehrt auf die Zusammenarbeit mit Handwerkern aus der Region setzen. „Bei den Koffern ist auch zu viel Hobby drin, um das wirtschaftlich zu betreiben“, beschreibt Dominik die Leidenschaft, die Ausgangspunkt für ihr Start-up war und es immer noch antreibt.

Die Gründer von Strofeld

Jonathan und Dominik in ihrer kleinen Werkstatt.

„Musik ist ein großer Teil meines Lebens“, sagt Dominik. Schon kurz nach dem Aufstehen am Morgen läuft bei ihm meist Musik, die zu seiner Stimmung passt. Auch beim Zusammensitzen mit Freunden kann er sich nicht vorstellen, auf Musik zu verzichten. Durch die viele Arbeit mit Lautsprechern ist er allerdings anspruchsvoller geworden. Da pflichtet ihm Jonathan bei: „Ich höre Musik mittlerweile ganz anders. Es ist nicht mehr entspanntes Hören, sondern ich achte bewusst auf den Klang.“ Durch die tägliche Beschäftigung mit Lautsprechern sind die jungen Männer sehr kritisch geworden. Mit Mittelmaß wollen sie sich nicht zufriedengeben. Die ständige Unzufriedenheit sei aber auch immer wieder der Antrieb, noch besser zu werden und sich weiterzuentwickeln, sagen sie. So haben sie noch viele Ideen, die sie angehen möchten. Zunächst geht es aber am 4. Juli noch mit Rebekka Ruétz auf die Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin. Dort zeigen sich die Models bei der Vorstellung der neuen Kollektion der Tiroler Designerin mit Strofeld-Designlautsprechern auf dem Laufsteg. Bis dahin werden Jonathan und Dominik noch viel Zeit in ihrer Werkstatt verbringen – die Kofferlautsprecher dafür müssen ja erst noch gebaut werden.

STROFELD 

Designlautsprecher aus Tirol
Strofeld Designlautsprecher

Foto: Natália Zajačik

Die Strofeld-Manufaktur befindet sich in der Dreiheiligenstraße 21a in Innsbruck.
Hier werden die individuellen Kofferlautsprecher als Einzelstücke angefertigt.

Anfragen
Mail: info@strofeld-koffer.com
Telefon: +43 677 621 494 69

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