Orgelbau Erler
Die Orgelbauer vom Zillertal

Wie man alle Register zieht

Die Firma Orgelbau Erler im Zillertal sorgt für erhebenden Wohlklang – durch Reinigung, Reparatur, Revision und den Neubau von Orgeln vor allem für Kirchen. Text: Esther Pirchner
Bild: Axel Springer

Die Tradition fortführen

Den Zillertaler Orgelbauern eilte schon im 18. und 19. Jahrhundert der Ruf großen Könnens voraus – nicht nur in Tirol, auch in Salzburg oder der Schweiz bauten sie neue Instrumente oder brachten ältere wieder zum Klingen. Große Bekanntheit erlangte der Fügener Orgelbauer Karl Mauracher aber aus einem anderen Grund: Er soll Ende der 1810er- oder Anfang der 1820er-Jahre anlässlich der Reparatur der Orgel von Oberndorf bei Salzburg das Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ von dort nach Tirol gebracht haben – die Voraussetzung dafür, dass die Zillertaler Nationalsänger es in der Folge in Europa und Amerika verbreiten konnten. Ein Instrument von Karl Mauracher ist noch in der Kirche von Hart im Zillertal erhalten, die beiden Orgelbaulinien Mauracher endeten jedoch schon vor langer Zeit. Eine neue Zillertaler Tradition begründete der Tischler- und Orgelbaumeister Christian Erler 1989, als er in Schlitters eine Werkstatt einrichtete. Im Betrieb arbeiten auch seine Frau und sein Sohn, der Orgelbaugeselle ist, ein weiterer Geselle und ein Lehrling. Neben dem Neubau von Orgeln, der heutzutage selten geworden ist, kümmert sich die Firma vor allem um die Erhaltung bestehender Instrumente – durch Reinigung, Reparatur oder Revision.

Die Kunst, die der Orgelbauer beherrschen soll, ist, bei der Intonation jeder Pfeife ihren eigenen Charakter zu geben und im Gesamtklang ein gemeinsames, wohlklingendes Klangerlebnis zu erzielen..

Christian Erler

Eine Orgel für St. Kathrein

Beinahe könnte man meinen, es handle sich um eine Tischlerei, wenn man die Werkstatt durch das große Holztor betritt. In der Mitte des hohen Raumes liegt ein großer Schrank ohne Türen und Rückwand, schön bemalt in Pastelltönen, an den Wänden stapeln sich Bretter, aus den Nebenräumen dringen die Geräusche einer Fräse. Doch ein genauerer Rundblick verrät, dass hier nicht nur Holz, sondern auch Orgelpfeifen aus Holz und Metall gelagert werden, und der Schrank entpuppt sich rasch als das entkernte Gehäuse einer Orgel. Dabei handelt es sich um einen ganz besonderen Auftrag: 2018 jährt sich zum 100. Mal der Todestag von Peter Rosegger und aus diesem Anlass erhält die Lieblingskirche des Volksdichters im steirischen St. Kathrein am Hauenstein eine neue Orgel. Wir seien zwei, drei Monate zu früh dran mit unserem Besuch, meint Christian Erler, denn noch gebe es an dem Instrument wenig zu sehen. Insgesamt werden er und seine Mitarbeiter ein Dreiviertel Jahr lang damit beschäftigt sein, das Gehäuse wieder herzurichten, die hölzernen Teile wie Manuale und Pfeifen des Instruments zu bauen, die Metallpfeifen zu stimmen und alles zu einem funktionierenden, schön aussehenden und vor allem wundervoll klingenden Kircheninstrument zusammenzusetzen. Stattdessen zeigt er uns eine Orgel, die eine Professorin am Mozarteum in Salzburg für den Unterricht herrichten lässt – ein Instrument für den Hausgebrauch und damit ein seltenes Beispiel für eine nicht kirchlich genutzte Orgel.

Christian Erler
Orgelbau Werkzeug
Orgel in der Werkstatt

Christian Erler gründete 1989 seine Orgelwerkstatt in Schlitters.

Das Wissen weitergeben

Dass der Zillertaler Betrieb nicht nur in den Orten des Zillertals, in Absam, Hall, Imst oder Innsbruck Fuß fassen konnte, sondern auch außerhalb Tirols, liegt an der Qualität der Instrumente. Eine besonders gelungene Orgel aus seiner Werkstatt steht im steirischen Mürzzuschlag, erzählt Erler. „Ein Hammerinstrument“ sei das und außerdem mit einem ausgezeichneten Organisten – Bernhard Hirzberger – gesegnet, der in Wien studiert hat und sein Wissen auch an junge Organisten aus der Gegend weitergibt. Darüber, dass es in Österreich einige hervorragende junge Musiker gibt, die die Orgel als Hauptinstrument gewählt haben und sie brillant spielen, freut sich Christian Erler besonders. Der Tiroler Organist und Pianist Michael Schöch etwa, Gewinner zahlreicher Orgelwettbewerbe und seit 2015 Leiter der Orgelklasse am Tiroler Landeskonservatorium, ist so ein Beispiel, aber auch der junge Steirer Florian Kaier, der schon einmal die Orgel als Jazzinstrument einsetzt.

Wenn das zusammentrifft – ein gutes Instrument und ein guter Organist, der begeistern kann –, dann gibt es auch wieder junge Leute, die Orgel spielen.

Christian Erler

Hightech und Holzwurm

Musikalisch zu sein, ist im Orgelbau hilfreich, jeder im Betrieb spielt auch ein Instrument. Zugleich handle es sich aber um einen sehr technischen Beruf, sagt Erler. Je genauer eine Orgel schon beim Bau oder der Überarbeitung am Computer geplant werde, desto einfacher sei später ein Service durchzuführen. Wie viele Details zu beachten sind, demonstriert er an einem Arbeitsgerät, das zum Stimmen der Pfeifen verwendet wird. Er zeigt, wie die Luft durch die einzelnen Kammern geleitet wird, wenn die unterschiedlichen Register eingeschaltet werden, welche Typen von Pfeifen es gibt und wie sie gestimmt werden, beschreibt, welche Hölzer sich besonders gut für bestimmte Teile eignen und welche räumlichen Gegebenheiten in Kirchen herrschen. Beachtet werden müssen auch mögliche Beeinträchtigungen wie Schimmelbildung, Holzwurmbefall, Luftverschmutzung, rußende Kerzen oder Emporen, die unter dem Gewicht der Orgeln minimal nachgeben. All das beeinflusst den Klang und die Stimmung, führt zu Misstönen oder gar zum Verstummen des Instruments. Mit dem Problem einer kaputten Orgel hatte übrigens auch der Textdichter von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“, der Hilfspfarrer Joseph Mohr, in Oberndorf zu kämpfen. Die Hilfe aus dem Zillertal kam vor 200 Jahren nicht rechtzeitig, und so wurde das berühmte Weihnachtslied nur mit Gitarrenbegleitung uraufgeführt.

Christian Erler

Am Gerät zum Stimmen der Pfeifen demonstriert Christian Erler Mechanik und Luftströme. 

Alte und neue Schätze

Heute setzen die Orgelbauer auf kontinuierliche Pflege. Sie statten „ihren“ Instrumenten in regelmäßigen Abständen Besuche ab, um sie zu stimmen oder zu reinigen. Andere Aufträge betreffen die Reparatur und Revision. Während man in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg schneller einmal eine Orgel abgetragen und durch eine neue ersetzt hat, geht der Trend derzeit wieder mehr in Richtung Erhaltung. Auch der weichere romantische Klang erhält neben dem Barockklang, der eine Zeitlang dominierte, wieder mehr Wertschätzung. Selbst die Verschiedenartigkeit der Instrumente – seien sie pneumatisch, mechanisch oder elektrisch betrieben – versteht man heute nicht als Nachteil, sondern als Gegebenheit, mit der ein Organist umzugehen weiß. Trotzdem gibt es immer wieder auch Instrumente, die nicht mehr zu retten sind und durch neue ersetzt werden müssen.

Und wie steht es um die Karl-Mauracher-Orgel in Hart? Christian Erler lädt kurzerhand zum Lokalaugenschein und fährt mit uns zu der erst vor kurzem restaurierten Kirche auf der anderen Talseite. Auf der Empore zeigt er die Schönheiten des Instruments, verweist aber auch darauf, dass die Orgel restauriert werden müsste. Im Geburtsort von Franz Xaver Gruber, dem Komponisten von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ konnte er die Orgel vor kurzem herrichten. Da liegt der Gedanke nahe, dass zum 200-Jahr-Jubiläum des Liedes 2018 auch für die Mauracher-Orgel die Zeit gekommen sein sollte, wieder im alten klanglichen Glanz zu erstrahlen.

Orgel von Karl Mauracher
Orgel Register
Orgel Manual

Orgel von Karl Mauracher in Hart.

Orgelbau Erler

Schlitters 66
6262 Schlitters
Tel. +43.5288.72116
E-Mail: orgelbau-erler@aon.at

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