Tiroler Adventsingen Hirten
Tiroler Aventsingen, 15. und 16.12.2018

Vielstimmig Weihnachtlich

Das Christfest in Tirol ist ohne das Tiroler Adventsingen kaum denkbar. Seit mehr als 50 Jahren gibt es den Geist der Weihnacht musikalisch weiter. Text: Esther Pirchner
Fotos: Tiroler Volksmusikverein

Zimtduft und Gesang

Weihnachtsbaum und Adventkranz, Kekse und Geschenke, Christkindl und Kerzen, Christmette und Nudelsuppe mit Würstel – wer in Tirol an Weihnachten denkt, hat gleich den Duft von Zimt in der Nase und oft auch noch eine Erinnerung an den Gesang in der Familie oder in der Schulklasse in der Vorweihnachtszeit und am heiligen Abend. Dieser Zauber, den das gemeinsame Singen unterm Weihnachtsbaum entfaltet, gibt es auch heute noch, aber es ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass innerhalb der Familie diese Tradition gepflegt wird und die Kinder die Lieder von den Eltern lernen.

Tiroler Adventsingen Viergesang

Gemeinsam musizieren

Dabei merkt man, erzählt Peter Margreiter, Obmann des Tiroler Volksmusikvereins, dass die Menschen ein Bedürfnis nach dem gemeinsamen Musikmachen haben. Der Verein kümmert sich das ganze Jahr über intensiv um die Weitergabe der musikalischen Traditionen, er veranstaltet offene Singen ebenso wie Wochenendseminare, Musizierwochen, Wettbewerbe und vieles andere mehr. Am Beispiel Weihnachtslieder lässt sich gut ablesen, dass die Menschen in Tirol sich gerne immer wieder mit traditioneller Musik befassen: Um ein kleines Notenheft mit Weihnachtsliedern, das der Tiroler Volksmusikverein aufgelegt hat, reißen sich die Tiroler regelrecht. Auch eine Sonderedition für die Schule rund um das berühmte Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht“, das 2018 genau 200 Jahre alt ist, fand beim Nachwuchs, aber auch bei den Erwachsenen großen Anklang.

Liederheft

Zum Selbersingen

Der Tiroler Volksmusikverein gibt kleine Hefte mit Liedsammlungen heraus, die mit Noten in einfachem Satz zum Selbersingen einladen. In der Weihnachtslieder-Ausgabe finden sich 20 Klassiker wie „Wer klopfet an?“, „Maria durch ein’ Dornwald ging“, „Es hat sich halt eröffnet“ und „Gott griaß enk Leutln allesamt“, selbstverständlich mit allen Strophen.

Zu beziehen beim 
Tiroler Volksmusikverein

Miteinander reden

Seit der Tiroler Volksmusikverein, der Tiroler Sängerbund und der Tiroler Blasmusikverband, die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, Teile des Mozarteums und des Tiroler Landeskonservatoriums u. v. a. m. im neu errichteten Haus der Musik ihre Heimstätte gefunden haben, ist das Haus auch eine Begegnungszone geworden: Man tauscht sich nicht nur untereinander aus, auch die Mitglieder der Vereine und andere Interessierte kommen nun, da alle diese Einrichtungen der Musik an einem Ort mitten im Zentrum erreichbar sind, gerne vorbei und lassen sich beraten. Projekte sind im Werden und Entstehen, man darf sich in den nächsten Monaten und Jahren überraschen lassen.

das Besondere am Tiroler Adventsingen ist, dass wir keine gecasteten Gruppen haben, sondern dass Auch gewöhnliche Musikanten auftreten. Es ist uns ganz wichtig, dass die Leute aus den Bezirken dabei sind – aus dem Bundesland Tirol und aus Südtirol.

Peter Margreiter, Obmann des Tiroler Volksmusikvereins

Dem Neuen aufgeschlossen

Mitunter Überraschendes fördern Margreiter und der Verein auch mit der Gestaltung der Tiroler Adventsingen zutage, denn auch hier gilt, dass Traditionen wichtig sind, man sich dem Neuen aber nicht verschließen darf: „Wenn man eine Musikrichtung oder eine Kunstrichtung unter eine Käseglocke stellt, dann stirbt sie“, sagt Margreiter, „und das gilt für die Volksmusik mehr denn je. Sie verändert sich zwar vielleicht nicht ganz so schnell wie Popmusik oder neuzeitliche Strömungen, die Globalisierung macht aber auch vor der Volksmusik nicht halt.“ Daher ist das Tiroler Adventsingen, das vielleicht wichtigste Aushängeschilder der Vereinstätigkeit, auch eine spannende und gut ausbalancierte Mischung aus traditioneller Tiroler Musik und einem zeitgenössischen verbindenden szenischen Text, der die Weihnachtsgeschichte aufgreift und ins Jetzt überträgt.

Im Duo mit Gitarre
Im Duo mit Gitarre

Beim Tiroler Adventsingen singt man zweistimmig mit Begleitung …

Bläsergruppen …
Bläsergruppen …

… gehören ebenfalls dazu.

Ganze Chöre …
Ganze Chöre …

… finden sich im Congress ein.

Zum Abschluss …
Zum Abschluss …

… sind alle gemeinsam auf der Bühne und der ganze Saal singt mit.

Saiteninstrumente
Saiteninstrumente …

… gehören dazu: zwölfsaitige Gitarre, Zither, Kontrabass, Harfe und Gitarre. 

Literatur im Wettbewerb

Schon seit mehreren Jahren beauftragt der Verein Tiroler Autoren damit, ein dramatisches Werk zu schreiben, das die Weihnachtsmusik miteinander verbindet. Für das Adventsingen 2018 konnte der Tiroler Autor Malte Alsen gewonnen werden, der unter dem Titel „Wachet auf, ihr Menschenkinder!“ einen Widerstreit zwischen Luzifer und dem Erzengel Gabriel in den Mittelpunkt seines Textes stellte. Dieses dramatische Werk über Gut und Böse, das unter anderem mit Günter Lieder und Brigitte Jaufenthaler umgesetzt wird, verbindet die einzelnen Musikstücke miteinander, sodass sich ein geschlossenes Ganzes ergibt. Für das kommende Jahr hat der Tiroler Volksmusikverein in Kooperation mit dem Literaturhaus am Inn ein ganz besonderes Projekt in Angriff genommen: Sie schreiben einen Wettbewerb unter den deutschsprachigen Autoren aus, sich von dem berühmten Bild des „Salvator mundi“ von Leonardo da Vinci zu einem Text inspirieren zu lassen. Der Siegertext wird dann beim Tiroler Adventsingen 2019 in Szene gesetzt.

Tiroler Adventsingen Geigerin

Musikanten aus ganz Tirol, von klein bis groß finden sich auf der Bühne beim Tiroler Adventsingen ein.

Großer Auftritt

Wer schon einmal ein Tiroler Adventsingen besucht hat, kann sich vorstellen, welchen Aufwand die Umsetzung im Saal Tirol bedeutet.Mit Schauspielern und Kindern wird daher im Sommer intensiv geprobt, die Musikgruppen leisten die Probenarbeit hingegen vor allem zu Hause, erst in den letzten Tagen vor der Aufführung werden alle diese Kräfte zusammengeführt: Dass das schließlich so reibungslos funktioniert, ist umso erstaunlicher, als die Musiker beim Tiroler Adventsingen nicht wie in anderen Bundesländern ein festes Ensemble bilden, sondern dass jedes Jahr andere Sänger- und Instrumentalensembles eingebunden werden. „Es ist uns sehr wichtig, dass wir den Gruppen diese Auftritte ermöglichen können“, erzählt Margreiter. Zugleich sei es für diese Amateurmusiker oft gar nicht so einfach, auf der großen Bühne im Congress Innsbruck aufzutreten – noch dazu mit dem Wissen, dass ihr Auftritt aufgezeichnet wird am 24. Dezember um 18 Uhr in Radio Tirol ausgestrahlt wird.

Tiroler Adventsingen Streicher

Unvergleichliche Stimmung

Es bleibt also – zumindest für die Veranstalter und die Ausführenden – bis zuletzt spannend. Das Publikum hingegen lässt sich beim Tiroler Adventsingen von der einzigartigen weihnachtlichen Stimmung verzaubern, freut sich über schön gesungene bekannte Weisen, und über Lieder, die vielleicht weniger bekannt sind. Am Ende der Aufführungen steht traditionell der „Sterzinger Mettenjodler“, besser bekannt als „Andachtsjodler“. Diese wunderschöne mehrstimmige Weise wird beim Tiroler Adventsingen traditionell drei Mal gesungen, zuerst von einer Gruppe auf der Bühne, dann von allen Mitwirkenden, und am Schluss singt der ganze Saal mit. „Am Ende gibt es diesen Moment, diese paar Sekunden, in denen absolute Stille herrscht und noch nicht geklatscht wird“, beschreibt Peter Margreiter die unvergleichliche Stimmung, die im Saal entsteht. „Wenn diese Spannung da ist und die Leute anschließend beseelt hinausgehen, dann haben wir unser Ziel erreicht. Und wenn wir selber von dieser Weihnachtsstimmung auch noch etwas mitnehmen können, ist das ganz besonders schön.“

Tiroler Adventsingen 2018

Tiroler Adventsingen 2018

Wachet auf, ihr Menschenkinder!

Tiroler Volksmusikverein 
Haus der Musik Innsbruck
Universitätsstraße 1
6020 Innsbruck
Tel. +43 512 39 55 66
E-Mail: tvm@tiroler-volksmusikverein.at

Congress Innsbruck, Saal Tirol
15.12.18, 17:00 Uhr
16.12.18, 14:00 Uhr & 17:00 Uhr
gemeinsames Weihnachtsliedersingen:
16.12.18 | 16:00 Uhr

mit Pitztalchor, Inntaler Weisenbläsern, Familie Waldauf, Holzklang, Matreier Sängerinnen, Bloakner 4 Gsang, Tiroler Hirtenkindern
Brigitte Jaufenthaler, Günther Lieder, Walter Pichler
Musikalische Gestaltung: Peter Kostner
Text, Buch: Malte Alsen
Regie, Ausstattung: Norbert Mladek
Bildgestaltung: Heinz Fechner
Gesamtleitung: Peter Margreiter

Zum Volksmusikverein
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