Bernadette Abendstein und Hakon Hirzenberger
Briefe ins Zillertal

 „Mauracher und Mohr“

Das Stück „Mauracher und Mohr. Geschichten und Lieder rund um die Stille Nacht“ trägt im Advent 2017 in der Festhalle Fügen zur Entschleunigung in der Vorweihnachtszeit bei. Text: Esther Pirchner

Der Duft von zahllosen Bäumen auf der Bühne wird den Raum erfüllen und der Schein von Hunderten Kerzen. Denn die Szenerie in der Festhalle Fügen, in der im Dezember Schauspieler, Sänger, Bläser und „Klöpfler“ die Geschichte des Salzburger Priesters und Textdichters Joseph Mohr und des Orgelbauers Carl Mauracher aus Fügen auf die Bühne bringen, wird – wie das Stück selbst – stimmungsvoll und ruhig sein. Mitten in der hektischen Vorweihnachtszeit finden große und kleine Besucher einen Ort, an dem sie zuschauen und zuhören, Lieder und Geschichten auf sich wirken lassen können.

Geschichte auf die Bühne bringen

Dazu greift der Autor und Regisseur Hakon Hirzenberger, der mit Bernadette Abendstein Initiator und Leiter des Festivals Steudltenn in Uderns ist, auf eine historische Begebenheit zurück, die für die Verbreitung des Liedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ von besonderer Bedeutung ist: 1818, als Franz Xaver Gruber das Gedicht von Joseph Mohr vertonte, wünschte sich Mohr, damals Hilfspriester in Oberndorf bei Salzburg, dass die Orgel der Kirche St. Nikola repariert werden möge. Abhilfe sollte der Zillertaler Orgelbauer Carl Mauracher schaffen, der wegen des schlechten Zustands der Orgel einen Neubau empfahl und diesen auch 1824/25 ausführte. Bei einem dieser Besuche – ganz genau geben es die Quellen nicht wieder – soll er auf das Lied aufmerksam geworden sein und es ins Zillertal mitgenommen haben. Für dessen weltweite Verbreitung sorgten dann unter anderem die Zillertaler Sängergruppen, die im 19. Jahrhundert die Welt bereisten. Einem der wichtigsten Protagonisten aus der Zeit, Ludwig Rainer, widmete Hirzenberger bereits das Stück „Die Stillen Nächte des Ludwig Rainer“, das in den vergangenen drei Steudltenn-Saisonen sehr erfolgreich gespielt wurde.

Sänger und Bläser aus dem Tal

Die Geschichte von Mauracher und Mohr verwebt Hirzenberger nicht nur in einen fiktiven Briefwechsel zwischen dem Orgelbauer und dem Priester, er bindet auch historische Weihnachtslieder und -weisen mit ein, die in Fügen von Sängern, Bläsern und Klöpflergruppen aus der Region gesungen und gespielt werden. Jeweils drei solche Gruppen hat der musikalische Leiter Gerhard Anker ausgewählt. In die Rolle von Joseph Mohr schlüpft Nik Neureiter, Martin Leutgeb spielt Carl Mauracher und Bernadette Abendstein die Mutter Joseph Mohrs.

Alle singen „Stille Nacht! Heilige Nacht!“

Eine ganz besondere Rolle hat Antonia Wetscher, die – ein „richtiges Christkindl“, wie Bernadette Abendstein sagt – die Aufführung eröffnet und beschließt. Wenn das Mädchen am Ende ganz alleine „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ anstimmt und dann die Bläser einsetzen, ist das der wohl innigste Moment des Stückes. „Bei der dritten Strophe sind alle Zuhörer aufgestanden und haben mitgesungen“, erzählt Bernadette Abendstein von den Vorstellungen 2016, als das Stück uraufgeführt wurde, „wir alle auf der Bühne hatten Gänsehaut, so berührend war das.“

Carl Mauracher im fiktiven Briefwechels mit Joseph Mohr
Bernadette Abendstein in der Rolle der Mutter von Joseph Mohr
Antonia Wetscher als Christkind

Mauracher & Mohr: Ein Stück Zillertaler Geschichte, vor allem ein Stück Weihnacht.

Fotos: Christian Wind

Nach dem Steudltenn ist vor dem Steudltenn

Wenn sie von solchen Momenten erzählt oder davon, wie sehr sich das Steudltenn-Team darüber freut, wenn das Publikum von nah und fern zu den Veranstaltungen im Sommer kommt, wird deutlich, wie viel Begeisterung und Herzblut in den Projekten stecken. Die Mischung aus regional verankerten Veranstaltungen und modernem internationalen Theaterproduktionen findet Jahr für Jahr mehr Anklang. Und selbst im Herbst, wenn das Theaterfestival zu Ende gegangen ist, finden sich überall auf dem Areal in Uderns sichtbare Zeichen dieses Lebens mit der Kultur zu finden: das zwar verblühte, aber immer noch eindrucksvolle Kunstprojekt „Philosophie der Tiere“, bei dem Soundinstallationen und Kunstwerke in einem Hanffeld Platz fanden, der Arbeitsraum – im Sommer zugleich Treffpunkt und Kartenbüro –, in dem noch am Bühnenbild für „Mauracher und Mohr“ gearbeitet wird, und nicht zuletzt der Steudltenn selbst, die ehemalige Scheune, die ein zweites Leben als Theatersaal geschenkt bekommen hat. Und selbstverständlich sind auch die Festivalmacher Abendstein und Hirzenberger in Gedanken noch ein wenig beim vergangenen, aber schon viel mehr beim zukünftigen Festival. Ein ganz besonderes Projekt haben sie dafür vor, doch das darf noch nicht verraten werden …

Die Schauspielerin Bernadette Abendstein und der Autor und Regisseur Hakon Hirzenberger
Mit Leib und Seele...

 ...und Gewand ganz dem Steudltenn verbunden: die Schauspielerin Bernadette Abendstein und der Autor und Regisseur Hakon Hirzenberger

Fotos: Axel Springer

Die Festivalmacher Hakon Hirzenberger und Bernadette Abendstein im Kunstprojekt: Im Sommer 2017 blühte hinterm Haus der Hanf rund um Kunstwerke und Soundstationen.
die festivalmacher...

...Hakon Hirzenberger und Bernadette Abendstein im Kunstprojekt: Im Sommer 2017 blühte hinterm Haus der Hanf rund um Kunstwerke und Soundstationen.

Fotos: Axel Springer

Steudltenn
die ehemalige scheune...

... in Uderns, der Steudltenn, kommt als Theatersaal zu neuen Ehren.

Fotos: Axel Springer

Mauracher und Mohr

Mauracher und Mohr

„Geschichten und Lieder rund um die Stille Nacht“
Mauracher und Mohr, Steudltenn

Aufführungen:
7., 9., 15. und 16. Dezember 2017, 20 Uhr
10. und 17. Dezember 2017, 17 Uhr 

Festhalle Fügen
Franziskusweg 1
6263 Fügen

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