Raumansicht
Designforum Wei Sraum: 5.6.–12.7.2019

Schaut Shout

Grafik zum zivilgesellschaftlichen Protest zeigt der Innsbrucker Wei sraum vom 5. Juni bis 12. Juli 2019 unter dem Titel „Schaut Shout“. Titelfoto: Thomas Mühlberger

Grafische Zeichen aus einem Jahrhundert

Plakate, Transparente und Aufkleber als knappe, aber auffallende Signale im Stadtraum eignen sich perfekt, um kritische Positionen zu verbreiten. Reduziert auf eine kurze, eingängige bildliche Aussage, mit oder ohne Worte, bleiben sie oft lange in Erinnerung und sind untrennbar mit den Forderungen oder Bewegungen verbunden, für die sie stehen. Man denke etwa an den Schriftzug der Solidarność in Polen oder an die lachende Anti-Atomkraft-Sonne. In einer Ausstellung im Wei sraum sind einige dieser Beispiele von den 1930er-Jahren bis in die Jetztzeit gesammelt, die für verschiedene Stile und Strömungen in der Grafik des Protests stehen. Internationale Produktionen treffen hier mit Tiroler Plakatprotest zusammen.

Der Eingangsbereich gehört einer Collage, die das buero bauer für die Ausstellung „Studio Protest“ im Rahmen der Vienna Design Week entworfen hat und die einen Abriss über historische Ereignisse des Protests, Personen und große Bewegungen gibt, in denen bestimmte Zeichen oder grafische Signale eine bedeutende Rolle gespielt haben. Die Bürgerrechtsbewegung in den USA der 1960er-Jahre ist hier ebenso vertreten wie Je Suis Charlie, und man kann sich in diese Dokumentation lange vertiefen, will man sich einen Überblick über Protestbewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts verschaffen.

Markus Wilhelm
Yossi Lemel
Yossi Lemel

Rot als Signalfarbe: Markus Wilhelm zur EU-Abstimmung, Yossi Lemel zu Konsum und Fukushima

Knappe Botschaften

Im Hauptraum der Ausstellung wurden verschiedene Schwerpunkte gesetzt, zum einen sind Tiroler Plakatbeiträge zu Protest und Politik gesammelt, etwa Originale des Treibhaus oder von Markus Wilhelm aus der Zeit, als er die Zeitschrift „Foehn“ herausgab. Ein Konvolut an Antiatomkraft-Plakaten aus einer Tiroler Sammlung korrespondiert mit dem Ausstellungsbereich über die tausendfach verbreitete lachende Anti-AKW-Sonne, die 1975 von der dänischen Studentin und Aktivistin Anne Lund entworfen wurde und über die Jahrzehnte allen Versuchen, sie gestalterisch zu verbessern, standhielt. „Atomkraft? Nein danke!“ prangt in etlichen Sprachen auf dem Aufkleber und macht deutlich, wie sehr und wie selbstverständlich sich dieses Bild verbreitet hat. Daneben leuchten die gelben Regenschirme der Hongkonger Protestbewegung, wie sie gerade jetzt wieder – rund um den Jahrestag der Übergabe der Stadt von England an China – bei Demonstrationen mitgeführt werden.

EU

Lex Drewinsk beschäftigte sich mit Abspaltungstendenzen in der EU

Hongkong

Die Regenschirme als Symbole des Protests in Hongkong zieren auch Plakataufrufe 

Frieden und Solidarität

Dass leicht wiedererkennbare Zeichen gerade bei Demonstrationen viel Gewicht erhalten, lässt sich auch an anderen Beispielen in der Ausstellung nachvollziehen – etwa das später als Peace-Zeichen bekannt gewordene Symbol gegen den atomaren Krieg, das unter anderem aus dem Winkeralphabet der Schifffahrt abgeleitet ist, oder der Schriftzug der polnischen Gewerkschaft Solidarność aus den 1980er-Jahren, der als Referenz auf etliche andere Entwürfe des Protests ausstrahlt.

Lex Drewinsk

Unterdrückung, dargestellt mit minimalistischen Mitteln von Lex Drewinsk 

Zeichen und Techniken

Deutlich gemacht wird in der Ausstellung auch, wie sich grafische Techniken über die Jahre verändern: John Heartfields Fotocollagen, in denen er den wirtschaftlichen Verstrickungen Hitlers Ausdruck verleiht oder die Ziele des Nationalsozialismus offenlegt, die trashige Grafik der 1960er-Jahre oder digitale Techniken bei der Erstellung von Plakatgrafik, aber auch die radikale Vereinfachung von Bildbotschaften auf wenige Linien oder Farbflächen sind in unterschiedlichen Beispielen vertreten. Nicht zuletzt zeigen gegenwärtige Entwürfe junger Grafiker, in welche Richtung sich die Grafik des Protests möglicherweise entwickelt.

 Insgesamt bietet „Schaut Shout. Grafik und Protest“ auf kleinem Raum einen guten Abriss über die Ausdrucksformen des Protests in verschiedenen Zeiten und verschiedenen Ländern und verdeutlicht auch, wie sehr Symbole Inhalte transportieren – mitunter auch weit über ihre ursprüngliche Bedeutung hinaus.

Schaut Shout. Grafik und Protest

5.6.–12.7.2019

Wei sraum. Designforum Tirol
Andreas-Hofer-Str. 27
6020 Innsbruck

Öffnungszeiten:
Di 14–20, Mi–Fr 14–18, Sa 11–15
Eintritt frei

Führungen mit den Kuratoren:
Freitag 14. Juni, 16 Uhr
Samstag, 29. Juni, 11 Uhr und auf Anfrage

Sonderführungen:
John Heartfield und die politische Fotomontage, Di 2.7. 18 Uhr
Die Anti-Atomkraftbewegung in Österreich, Di 9.7. 18 Uhr

www.weissraum.at
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