Simon Boccanegra
Simon Boccanegra, bis 23.3.2019

Macht, liebe, Tod

Verdis Oper „Simon Boccanegra“ am Tiroler Landestheater in Innsbruck ist ein Werk der großen Gefühle und politischen Machtspiele. Fotos: Rupert Larl, Tiroler Landestheater

Wunsch nach Versöhnung

Selbstverständlich ist die Geschichte verwickelt und voller überraschender Wendungen: Da wird paktiert, um Macht gerungen und intrigiert. Geliebte sterben, Verschwundene werden gefunden, die Liebe wankt und siegt doch, Rache, Revolution und Tod lauern an jeder Ecke. Das Werk selbst fiel in den 1850er-Jahren zuerst – in Venedig und Mailand – zweimal durch, ehe eine überarbeitete Fassung 1881 an der Mailänder Scala bejubelt wurde. Mit „Simon Boccanegra“ um den Freibeuter und Dogen von Genua schuf Giuseppe Verdi ein hoch komplexes Werk um das Machtringen innerhalb und zwischen den italienischen Stadtstaaten des Mittelalters und der Renaissance. Symbolhaft ist hier auch der Wunsch nach Versöhnung und Einigung zu Verdis Zeiten umgesetzt – zur Entstehungszeit der Oper befand sich Italien mitten im Risorgimento, an dessen Ende die Schaffung eines italienischen Nationalstaats stand. Auch kompositorisch ist „Simon Boccanegra“ ein Kind dieser Epoche, wie sich beispielsweise an den mehrsätzigen Arien und den Pausen zwischen den Nummer, die Raum für Applaus lassen, zeigt.

Blankes Entsetzen
Blankes Entsetzen

Simon entdeckt seine tote Geliebte Maria.

Revolution
Revolution

Wie in einem Schlachtengemälde drängt das Volk zur Macht.

Aufgedeckt
Aufgedeckt

Intrigant Paolo muss sich selbst verfluchen.

Leidenschaft in kalten Räumen

Am Tiroler Landestheater sind es aber nicht nur diese prächtigen Nummernarien, die heftig beklatscht werden, hier wird die Gesamtleistung von Regie, musikalischer Leitung, Orchester, Ausstattung und vor allem den Sängern und Sängerinnen gewürdigt. Die Protagonisten bewegen sich in einer Welt, die von hohen, abweisenden Mauern umgeben ist, ein Durchdringen oder Überwinden ist einerseits kaum möglich, andererseits bieten diese glatten Wände auch Nischen und Winkel für Intrige und Bündnisse im Verborgenen. Licht und Schatten sind spektakulär eingesetzt, große Schlachtenszenarien wechseln mit – öfter feindlichen als liebevollen – Begegnungen hinter verschlossenen Mauern. Die Kühle der Räume setzt einen hoch dramatischen Kontrapunkt zu den leidenschaftlichen Ereignissen des Werks und lässt die Zerrissenheit der Charaktere noch stärker zum Ausdruck kommen.

Barno Ismatullaeva

Amalia Grimaldi (Barno Ismatullaeva) ist verliebt … 

Simon Boccanegra

… und hält ihren Geliebten davon ab, ihren Vater zu töten.

Stimmlich starke Männer

Die trotz aller Leidenschaften starke politische Komponente der Geschichte bewirkt, dass hier – abgesehen von Boccanegras Tochter Amalia (Barno Ismatullaeva) und ihrer Magd – die Männer die Hauptrollen spielen: Boccanegra stehen nicht nur sein einstiger Mitstreiter Paolo und der Vater seiner Geliebten, Jacopo Fiesco, sondern auch Amalias Geliebter Gabriele Adorno gegenüber. Stimmlich und darstellerisch überzeugen sie alle, vor allem Kiril Manolov in der Titelrolle und Viktor Antipenko als Gabriel füllen ihre Rollen als Staastmann/Freibeuter/liebender Mann und Vater bzw. als leidenschaftlich Liebender/Revolutionär ganz aus. So wird diese komplizierte Geschichte zu einem über drei Stunden Aufführungszeit spannenden Opernerlebnis, das trotz aller Verwicklungen eine klare Grundaussage – den Ruf nach Versöhnung – vermittelt.

Simon Boccanegra

24.11.2018–23.3.2019
Simon Boccanegra

Oper von Giuseppe Verdi
Tiroler Landestheater
Großes Haus
Rennweg 2
6020 Innsbruck
Tel. 0043512520744
E-Mail: kassa@landestheater.at

www.landestheater.at
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