Liliom Rupert Larl
bis 22.5.2019: Oper von Johanna Doderer

Liliom im Operngewand

Die Oper „Liliom“ erlebte in der Inszenierung von Johannes Reitmeier am Tiroler Landestheater ihre umjubelte österreichische Erstaufführung. Fotos: Rupert Larl

Musik für eine tragische Figur

Es ist eine der großen tragischen Geschichten des österreichischen Theaters: „Liliom“ von Ferenc Mólnar, übersetzt von Alfred Polgar und in den letzten Tagen des Habsburgerreichs als moderne Tragödie berühmt geworden. 2016, rund hundert Jahre später, nahm sich die österreichische Komponistin Johanna Doderer im Auftrag des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München des Stoffes an. Die versierte Opernkomponistin – zurzeit arbeitet sie an einem neuen Werk mit Autor Peter Turrini – schuf großes zeitgenössisches Musiktheater: dramatisch, anspruchsvoll, tragisch, komisch, berührend und tiefgehend.

Beginn einer Liebe
Beginn einer Liebe

Zwischen den zweien ist schnell alles klar: Liliom trifft Julie.

Fotos: Rupert Larl

Auf dem Rummelplatz
Auf dem Rummelplatz

Mitten im bunten Treiben finden die beiden zusammen.

Der vielgeliebte Gauner

In „Liliom“ – dem Theaterstück wie der Oper – werden die Zuseher Zeugen eines unaufhaltsamen Niedergangs. Der leichtlebige Rummelplatz-Ausrufer Liliom verliebt sich in das Dienstmädchen Julie, überwirft sich mit seiner Arbeitgeberin und Liebhaberin Frau Muskat und verliert – so wie Julie – die Arbeit. Er trinkt, spielt, rauft, schlägt Julie und lehnt alle Hilfsangebote ab. Als Julie schwanger wird, wählt er den denkbar schlechtesten Weg, Geld aufzutreiben. Ein geplanter Raubüberfall scheitert, Liliom nimmt sich das Leben und ist weder am Sterbebett noch im Himmel bereit, eine Schuld einzugestehen. Als er nach 16 Jahren für einen Tag auf die Erde darf, um seiner Tochter etwas Gutes zu tun, scheint er auch an dieser Aufgabe zu scheitern …

Es geht um das Ungesagte. Liliom hat keine Sprache für das, was ihn wirklich bewegt. er schlägt, er schreit, es ist für ihn unmöglich, sich anders auszudrücken. Doch wo die Sprache aufhört, beginnt die Musik. Damit habe ich leitmotivisch gearbeitet.

Johanna Doderer über ihre Oper „Liliom“

Zart, entfesselt, dramatisch

Librettist Josef E. Köpplinger verdichtete das komplexe Stück im Dienste der musikalischen Umsetzung. Zugleich öffnete er Johanna Doderer damit weite Räume, um die Vielschichtigkeit der Charaktere und Stimmungen musikalisch herauszuarbeiten – eine Möglichkeit, die sie in jedem Detail nützte. Die Leichtigkeit und Schwere der Liebe, Stolz, Groll und Versagen, gekränkte Eitelkeiten, Begehren, Verzeihen, die Unmöglichkeit, sich mitzuteilen, und die Gewissheit, nirgendwo anders und mit niemandem anderen sein zu wollen … all das findet in „Liliom“ seinen Widerhall in einer innigen, hochdramatischen, entfesselten, dann wieder ganz zarten, berührenden Musik. Landestheaterintendant Johannes Reitmeier setzte die österreichische Erstaufführung des Stückes nah an Text und Musik um und legte dabei viel Wert auf eine präzise Zeichnung der Figuren. 

Frau Muskat

Zwei starke Frauen ringen um die Gunst Lilioms: Frau Muskat (Susanne von der Burg) …

Julie mit Stern

… und Julie (Judith Spießer). 

Starke Frauen

Vor allem die Frauen in diesem Stück – Julie (Judith Spießer), ihre Freundin Marie (Sophia Theodorides), Frau Muskat (Susanne von der Burg) sowie im letzten Bild Julies und Lilioms Tochter Luise (Anna-Maria Kalesidis) – sind starke, genau gezeichnete Charaktere und damit kein einfaches Gegenüber für Daniel Prohaska in der Rolle des Liliom. Dennoch kann er als vielgeliebter, eigensinniger Gauner neben ihnen bestehen. Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, Chor und Wiltener Sängerknaben bringen Instrumentales und Vielstimmiges klangvoll und präzise auf die Bühne.

Liliom und Luise

Vater und Tochter dürfen sich an einem Tag begegnen. Der vorsichtige Kontakt endet mit einem harten Schlag, und doch wird Liebe spürbar.  

Vom Leben selbst

Viel zum tiefen Eindruck des Stückes tragen die Bühne von Thomas Dörfler und die Kostüme bei: Die durchbrochene, sich zum Bühnenhintergrund verjüngende, drehbare Röhre kann mit ihren Lichtern bunter Rummelplatz und graue Stube, Bahndamm und Vorzimmer zum Himmel zugleich sein. Vor der Folie der schwarz-weißen namenlosen Figuren des Rummelplatzes treten die Hauptfiguren mit Blumen und intensiven Farben deutlich hervor. Es sind diese auf allen Ebenen ineinandergreifenden und sich zusammenfügenden Details der Aufführung, die die Zuhörer einen Musiktheaterabend erleben lassen, der den unwirklichen Zauber der Bühne mit der Gewissheit vereint, etwas über das Leben selbst zu erfahren.

Liliom – Oper von Johanna Doderer

23.2.–22.5.2019
Liliom

Foto: Rupert Larl

Österreichische Erstaufführung
Musik: Johanna Doderer
Text: Josef E. Köpplinger. Frei nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Ferenc Molnár
Regie: Johannes Reitmeier
Tiroler Landestheater

Rennweg 2
6020 Innsbruck
Tel. 0043 512 520744
E-Mail: kassa@landestheater.at

www.landestheater.at
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