Mignon Rupert Larl
6.4.–22.6.2019, Tiroler Landestheater: „Mignon“

Liebe im Dreieck

Bis 22. Juni 2019 zeigt das Tiroler Landestheater in Innsbruck die Oper „Mignon“ von Ambroise Thomas. Fotos: Tiroler Landestheater, Rupert Larl
Mignon und Wilhelm
Mignon und Wilhelm
Mignon und Philine

Spannungsgeladenes Dreieck: Wilhelm erkennt Mignongs Reize, Philine umgarnt Wilhelm und demütigt Mignon

Von der Neben- zur Hauptfigur

Sie ist nur eine Nebenfigur in Johann Wolfgang von Goethes Roman „Wilhelm Meister“, aber eine, deren Geschichte durchaus mehr Beachtung verdient. So dachten wohl auch die französischen Autoren Jules Barbier und Michel Carré Mitte des 19. Jahrhunderts, als sie die Geschichte um Mignon als Grundlage für ein Opernlibretto nahmen. In diesem wird Mignon – die sich in den Fängen einer Bettlergruppe befindet – von Wilhelm Meister freigekauft und schließt sich ihm als seine dienende Begleiterin an. Der jedoch verschaut sich in den Theaterstar Philine, was wiederum zu Eifersucht, Gefahr und erneuter Rettung führt. Vertont von Ambroise Thomas in einschmeichelnd-romantischem Kleid fand der Stoff gleich begeisterte Aufnahme: „Mignon“ (mit dem „Hit“ „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“) wurde ein Welterfolg und wird bis heute auf den internationalen Bühnen gespielt.

Philine in Mignon

Widersacherinnen im Kampf um die Gunst Wilhelm Meisters: Philine …

Mignon

… und das Bettlermädchen Mignon
Fotos: Rupert Larl

Romantisches Sehnen

Am Tiroler Landestheater haben Regisseurin Helen Malkowsky, Dirigent Seokwon Hong und Bühnenbildner Dieter Richter die romantische Dreiecksgeschichte zwischen dem Mädchen Mignon, dem reisenden Studenten Wilhelm Meister und der Bühnendiva Philine rund um eine der berühmten Pariser Jugendstil-Metro-Stationen bzw. ein Theater in der französischen Hauptstadt angesiedelt. Die eingängige Musik und die vielfältigen Kostüme zwischen Schlichtheit und theatralischer Prachtentfaltung tun das Ihre, um die französische Romantik aufleben zu lassen. Im Zentrum steht das Dreieck Mignon – Wilhelm – Philine, das in seinem komplexen Beziehungsgeflecht und mit fein schattierten Charakteren hohe Anforderungen an Stimmen und schauspielerisches Talent der Sänger stellt. Lamia Beuque/Camilla Lehmeier (Mignon), Jon Jurgens (Wilhelm Meister) und Sophia Theodorides (Philine) meistern diese Aufgabe hervorragend, das Spannungsfeld von Liebe, Mitgefühl, Ehrerbietung, Eifersucht, Herablassung und Verzeihen, in dem die drei Hauptfiguren agieren, wird durch sie innig erlebbar. Lothario, Laerte und Jarno, ebenfalls ausgezeichnet gesungen von Unnsteinn Årnason/Johannes Maria Wimmer, Florian Stern und Joachim Seipp, treiben die Geschichte voran, bleiben aber neben dem starken Dreieck weitgehend Randfiguren.

Mignon Rupert Larl

Mignon verzweifelt fast an ihrer Liebe zu Wilhelm

Ausgang ohne Schaden

Dafür, wie die Geschichte ausgeht, hat jedes Opernhaus verschiedene Möglichkeiten. Denn zu „Mignon“ existieren vier verschiedene – tragische und versöhnliche – Enden. In Innsbruck setzte Regisseurin Malkowsky einen anderen Schlusspunkt: Die zufällige Begegnung der Figuren führt hier zwar zu einer engen Verflechtung der Figuren, diese wird am Ende jedoch wieder aufgelöst – jeder geht schließlich seiner Wege und geht so mehr oder weniger unbeschadet aus den romantischen Verwicklungen der Oper hervor.

Ambroise Thomas: „Mignon“

6.4.–22.6.2019

Tiroler Landestheater
Großes Haus

Rennweg 2
6020 Innsbruck
Tel. 0512 52074 4
kassa@landestheater.at

www.landestheater.at
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