Open-Air-Kinos in Tirol

Stars und Sterne

Freiluftkinos erfreuen sich großer Beliebtheit bei Filmfans, auch in Tirol. So findet man fast im ganzen Land entsprechende Veranstaltungen – wobei neben etablierten Open-Air-Kinos auch stets neue nachrücken. Kultur.tirol stellt sowohl einen alten Hasen als auch einen Neuling vor. Text: Simon Leitner
Header-Bild: Shutterstock

Obwohl Freiluftkinos sich bereits vor geraumer Zeit etabliert haben, wäre es falsch zu behaupten, sie seien längst keine Besonderheit mehr. Denn Tatsache ist, dass das Filmschauen im Freien, mit Stars auf der Leinwand und Sternen am Himmel, immer noch und vor allem immer wieder ein besonderes Erlebnis für Zuschauer ist und eine ungebrochene Faszination auf diese ausübt. Auch in Tirol gibt es mittlerweile ein entsprechend großes wie vielfältiges Angebot – von den Lichtspielen in den Swarovski Kristallwelten über das Lunaplexx in St. Johann bis zum Sommerkino in Rum, um nur einige zu nennen.

Mit dem Open-Air-Kino im Zeughaus und dem Silent Cinema auf der SoWi-Wiese werden allein in Innsbruck jährlich zwei größere Veranstaltungsreihen organisiert, die Filmliebhaber am Abend regelmäßig ins Freie locken. Während das Zeughaus-Kino jedoch bereits seit einem Vierteljahrhundert einen festen Bestandteil im Sommerprogramm der Landeshauptsstadt darstellt, ist das Silent Cinema, wenn man so will, erst vor relativ kurzer Zeit auf der Bildfläche erschienen. Und auch sonst gibt es so einige Unterschiede zwischen diesen beiden Kinos.

Vorreiter am Hof

Seine Premiere feierte das Open-Air-Kino im Zeughaus vor 25 Jahren. Damals wurde die 150 Quadratmeter umfassende Leinwand zum ersten Mal im weiträumigen Innenhof des ehemaligen kaiserlichen Waffenarsenals aufgebaut. „Wir haben nicht lange zuvor am Mainufer in Frankfurt zum ersten Mal ein Freiluftkino gesehen und waren vollkommen fasziniert“, erzählt Dietmar Zingl, der Geschäftsführer des Otto-Preminger-Instituts, das gemeinsam mit dem Treibhaus und dem Zeughaus das „Kino unter Sternen“ realisiert. „Und wir haben uns gedacht: So etwas sollte man eigentlich auch in Innsbruck machen.“

Mit einer Fläche von 150 Quadratemetern gehört die Leinwand des Zeughaus-Open-Airs zu den größten Westösterreichs.
© Daniel Jarosch

Bezüglich der Rahmenbedingungen hatten die Betreiber von Beginn an ganz konkrete Vorstellungen: Man sei, so Zingl, immer auf eine gute Location und eine möglichst große Leinwand bedacht gewesen. Im Fall des Aufführungsorts habe man sich rasch auf das Zeughaus geeinigt, mit der Projektionsfläche gab es hingegen anfänglich einige Schwierigkeiten. „Wir haben extrem lange herumgetüftelt, wie wir es schaffen, eine Leinwand von solchen Dimensionen sicher aufzustellen“, erklärt Zingl. „Sie wirkt nämlich wie ein Segel, was natürlich vor allem bei starkem Wind problematisch werden kann.“

Ein mit Beton verstärktes Gerüst, wie Zingl es beispielsweise damals in Frankfurt am Main gesehen hat, kam aufgrund der Location nicht in Frage – es wäre, nicht zuletzt im Hinblick auf die begrenzten Eingangstore des Zeughauses, schlicht zu schwerfällig und zu aufwändig gewesen. Mithilfe eines Statikers hat man allerdings schließlich ein System gefunden, das es erlaubt, eine Leinwand in dieser Größe zu errichten: „Es handelt sich dabei um ein Alu-Gerüst, das mit Seilen festgespannt ist. Und das hat gleich perfekt funktioniert“, so Zingl.

Das größte Problem in den Anfangsjahren war jedoch nicht die Leinwand, sondern die Finanzierung. Für die Premiere des Open-Air-Kinos haben die Betreiber die benötigte Ausrüstung zum Teil noch angemietet, aufgrund des Erfolgs der ersten Ausgabe allerdings schon kurz darauf beschlossen, die entsprechende Technik selbst zu kaufen. „Anfangs haben wir fast keine Subventionen bekommen, nur einen kleinen Beitrag vom Bund im Rahmen von 100 Jahre Kino“, erläutert Zingl. „Also mussten wir erst mal alles selbst abstottern.“ Eine weitere Förderung gab es erst einige Zeit später vonseiten des Landes und der Stadt Innsbruck, allerdings mit der Auflage, die Leinwand auf die gegenüberliegende Seite zu stellen. Akustische Gutachten hätten nämlich gezeigt, dass die Lärmbelästigung für Anrainer dadurch geringer ausfalle.

Das anspruchsvolle Programm des Zeughaus-Kinos verfolgen jedes Jahr mehrere tausend Menschen. Der große Innenhof des ehemaligen kaiserlichen Waffenarsenals bietet genug Platz.
© Daniel Jarosch

Auseinandersetzungen mit Nachbarn sind jedoch trotzdem vereinzelt vorgekommen, wie Zingl erzählt. Einer fühlte sich vom Kino etwa dermaßen gestört, dass er seinerseits dazu überging, die Vorführungen mit einem Laserpointer zu sabotieren. „Es gibt leider immer wieder solche, denen das Kino offenbar zu laut ist. Dabei haben wir selbst mal auf dem Balkon einer Nachbarin gemessen und festgestellt, dass selbst die Busse, die dort über die Sill fahren, mehr Lärm machen“, berichtet Zingl. „Man kann nur hoffen, dass solche Veranstaltungen trotzdem weiterhin stattfinden dürfen. Sie beleben schließlich die Stadt.“

Programmkino-Programm

Abgesehen von der Position der Leinwand habe sich Zingl zufolge aber recht wenig geändert in den letzten 25 Jahren. Zwar sei mittlerweile alles digital und auch das Bild-Seitenverhältnis ein anderes, was die Filme selbst betrifft, habe man aber noch immer dieselben Ansprüche. Man versuche, gutes, abwechslungsreiches Arthouse-Programm für ein anspruchsvolles Publikum zu bieten, wobei neben erfolgreichen Werken des jeweils vergangenen Jahres auch immer wieder Filmklassiker gezeigt werden.

Einer davon ist „Zorba the Greek“ von Michael Cacoyannis, der seit der Premiere des Zeughaus-Open-Airs jedes Jahr dessen Abschluss bildet. „Wir haben den Film damals gemeinsam mit mehreren Kulturkinos gekauft, weil zu jener Zeit keine tauglichen Kopien mehr in Österreich vorhanden waren“, erklärt Zingl die Hintergründe. Das neue Freiluftkino sei eine gute Gelegenheit gewesen, den eben erstandenen Film unter die Leute zu bringen, und weil er beim ersten Mal so gut angekommen sei, habe man ihn eben auch in den Folgejahren gebracht. „Bis auf ein einziges Mal, als es Probleme mit den Rechten gegeben hat, ist er eigentlich bei jeder Auflage gelaufen“, so Zingl.

Die Erstellung des Programms ist in erster Linie eine Angelegenheit des Otto-Preminger-Instituts, das unter anderem das Innsbrucker Leokino und den Cinematograph betreibt. Es trifft nicht nur eine erste Vorauswahl, die schließlich von mehreren Beteiligten durchgesehen sowie fallweise ergänzt oder verändert wird, sondern auch die endgültige Entscheidung, welche Filme man letztendlich aufnimmt oder nicht. Neben einem gewissen Anspruch achten die Organisatoren dabei vor allem darauf, dass die gezeigten Werke open-air-tauglich sind. „Es gibt einfach Filme, die besser zu einem Freiluftkino passen als andere“, ist Zingl überzeugt. „Am besten eignen sich solche, die eher Richtung Komödie gehen, also nicht allzu ernst sind.“

Es gab Jahre, da hatten wir fast 15.000 Besucher, aber auch schon welche, in denen nur 4.000 bis 6.000 Leute zu den Vorstellungen kamen. Und das nur, weil das Wetter nicht mitgespielt hat.

Dietmar Zingl, Geschäftsführer Otto Preminger Institut

Leinwand, Location und Programm sind zwar essenziell für das Gelingen eines Freiluftkinos, der wichtigste, maßgebliche Faktor ist allerdings einer, auf den die Organisatoren keinerlei Einfluss haben, nämlich das Wetter. „Es gab Jahre, da hatten wir fast 15.000 Besucher, aber auch schon welche, in denen nur 4.000 bis 6.000 Leute zu den Vorstellungen kamen. Und das nur, weil das Wetter nicht mitgespielt hat“, berichtet Zingl. Als man zwei schwache Jahre hintereinander registrieren musste, stand das Zeughaus-Kino sogar kurz vor dem Ende. Doch im folgenden Jahr waren die äußerlichen Bedingungen besser und die Vorstellungen dadurch auch wieder gut besucht. „Gegen das Wetter können wir nichts ausrichten, das ist halt so“, meint Zingl. „Wir können nur schauen, dass das Programm und die Location passen.“ Und diesbezüglich habe man eigentlich keinerlei Probleme – auch wenn es hin und wieder Differenzen mit einzelnen Anrainern gibt.

Sollen sie doch Kopfhörer aufsetzen

Das Silent Cinema auf der SoWi-Wiese kann zwar ebenfalls mit einer guten Location aufwarten, Streitigkeiten mit Nachbarn habe es allerdings (noch) nicht gegeben – das sagt zumindest Robert Wolf, der gemeinsam mit seiner Kollegin Carmen Sommer heuer bereits zum fünften Mal das Kino am Campus zwischen MCI und SoWi organisiert. „Bisher haben wir tatsächlich noch keine einzige Beschwerde erhalten, im Gegenteil“, so der Unternehmer. „Es kommen häufig Leute aus der Nachbarschaft auf uns zu und fragen, wann es wieder losgeht.“

Da das Gelände um das Kino am SoWi-Campus nicht abgesperrt ist, kommt es immer wieder vor, dass zufällig vorbeikommende Passanten stehenbleiben, um kurz mitzuschauen. Mithören können sie allerdings nicht. Denn der Ton für die Filme kommt nicht aus Lautsprechern, sondern wird direkt über Funkkopfhörer übertragen, die den Zuschauern vor der Vorführung ausgehändigt werden und wahlweise die Originalton- oder die deutsche Synchronspur abspielen. Das ist nicht nur das Alleinstellungsmerkmal und die Besonderheit des SoWi-Kinos, sondern wohl auch der Hauptgrund dafür, warum allfällige Proteste wie bei anderen Freiluftkinos bisher ausgeblieben sind.

Das Silent Cinema am SoWi-Campus wurde erst vor wenigen Jahren ins Leben gerufen, hat aber bereits eine große Fangemeinde.

© Jenny Haimerl Fotografie

Die Idee, Kopfhörer zu verwenden, wurde dabei gewissermaßen aus der Not heraus geboren. „In Innsbruck kannst du als Veranstalter nach 22 Uhr unter Umständen schnell mal Probleme bekommen“, erzählt Wolf. „Da man für ein Open-Air-Kino aber bis zum Sonnenuntergang mit dem Start des Films warten muss, waren wir gezwungen, uns was einfallen zu lassen.“ Eine Freundin von Sommer und Wolf habe dann, eher beiläufig, erwähnt, man solle den Zuschauern doch Kopfhörer geben. „Es war mehr eine Randbemerkung, aber für uns hat sie eigentlich sofort Sinn gemacht. Also haben wir es einfach mal versucht“, so Wolf.

Vorerfahrungen hatte das mittlerweile vierköpfige Organisationsteam in dieser Hinsicht bis dahin keine, dementsprechend wurde im Premierenjahr noch viel improvisiert. Schon bei der nächsten Ausgabe (2016) ging man jedoch um einiges professioneller vor – inklusive einer eigens entwickelten Zweikanalton-Software zum mehrsprachigen Abspielen eines Films. Diese ist inzwischen so ausgereift, dass die Betreiber von Silent Cinema ihr multilinguales Kino auch für externe Kunden anbieten können, dieses Jahr unter anderem am Achensee oder am Kufsteiner Stadtplatz.

Der Weg dahin war jedoch kein leichter, wie Wolf berichtet: „Bei der Entwicklung gab es viele Dinge, an die wir erst gedacht haben, als sie Probleme bereitet haben. Die größte Herausforderung dabei war aber die Synchronität – also es so hinzubekommen, dass beide Spuren den ganzen Film lang perfekt mit dem Bild übereinstimmen. Man stellt sich das zwar leicht vor, aber das hat viel Arbeit gekostet.“ Die Mühen haben sich für das Team von Silent Cinema allerdings scheinbar gelohnt, denn das Konzept hat von Anfang an Anklang gefunden und bringt seither jeden Sommer zunehmend mehr Menschen zum abendlichen Filmschauen auf die Wiese vor der SoWi.

Die Atmosphäre bei den abendlichen Vorstellungen des Silent Cinema ist eine sehr entspannte. Dafür sorgen nicht zuletzt die Liegestühle auf der Wiese.
© Silent Cinema

Abseits vom Arthouse

Die Filme werden dem Silent Cinema vom Metropol Kino zur Verfügung gestellt, einem der vielen Partner, die die Veranstaltung erst ermöglichen. Aufbauend auf einer Vorauswahl an potenziellen Kandidaten, die vom Silent-Cinema-Team und einigen Freunden das ganze Jahr über zusammengetragen werden, recherchiert das Metropol, welche davon für eine Freiluftvorstellung lizenziert werden können. Von diesen möglichen Filmen werden dann wiederum 30 ausgewählt, über die schließlich zwei Wochen lang auf der Homepage von Silent Cinema abgestimmt werden kann. Die endgültige Gestaltung des Programms liegt somit, zumindest bis zu einem gewissen Grad, bei den Zuschauern selbst.

Wir sind eher im Mainstream unterwegs. Dadurch steigen das Zeughaus und wir uns nicht gegenseitig auf die Füße.

Robert Wolf, Silent Cinema

Wolf betont, dass es nie Absicht gewesen sei, in Konkurrenz zum Zeughaus-Kino zu treten, folglich habe man auch bei der Programmauswahl stets andere Schwerpunkte gesetzt. „Wir sind eher im Mainstream unterwegs, zeigen eine bunte Mischung aus Familienfilmen, Blockbustern, Dramen und Alltime Classics, die man immer wieder gerne anschaut“, erläutert Wolf. „Dadurch steigen das Zeughaus und wir uns nicht gegenseitig auf die Füße.“ Apropos Füße: Diese können die Zuschauer beim Silent Cinema übrigens buchstäblich hochlegen – dafür sorgt die Bestuhlung mit Liege- statt gewöhnlichen Stühlen auf der Wiese, die den Veranstaltern zufolge eine Urlaubsatmosphäre beim Publikum erzeugen soll.

Das Team von Silent Cinema selbst werde bei den Vorführungen auf jeden Fall von Jahr zu Jahr entspannter, wie Wolf berichtet. „Wir müssen auf sehr viel schauen: Was macht die Software, was der Funk, laufen die Kanäle synchron, ist es einigermaßen ruhig auf dem Gelände und so weiter. Dadurch können wir nicht wirklich in Ruhe den Film genießen.“ Mit der Zeit, so Wolf, werde es jedoch immer besser – auch wenn es bis jetzt noch jedes Jahr die eine oder andere Überraschung gegeben habe.

Abendliche Filmvorführungen

Ausgewählte Tiroler Freiluftkinos

Lunaplexx
noch bis 28. Juli 2019
Alte Gerberei, St. Johann

Silent Cinema
noch bis 15. August 2019
SoWi-Campus, Innsbruck

Swarovski Lichtspiele
1. bis 31. August 2019
Swarovski Kristallwelten, Wattens

Open-Air-Kino Zeughaus
1. August bis 1. September 2019
Zeughaus, Innsbruck

Übersicht Sommerkinos
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