Heinz Zak Ahornboden

Berg, Baum, Licht, Bild

Eine Landschaft im Jahreslauf in Fotografien oder wenigen Minuten Film einzufangen, diese Kunst beherrscht kaum jemand so wie Heinz Zak.
Text: Esther Pirchner
Bilder: Heinz Zak

Heinz Zak ist Ausnahmekletterer, Landschaftsfotograf und -filmer und begleitet Extremkletterer mit der Kamera. Seine kunstvollen Bergbilder und -filme sind das Ergebnis einer langsamen und eingehenden Annäherung und atmen dennoch die Stimmung des Augenblicks. Sein neuer Film, der in einer gekürzten Version auch als Kinospot der Tirol Werbung zum Einsatz kommt, verbindet die außergewöhnliche Landschaft des Ahornbodens im Tiroler Karwendelgebirge mit Johann Sebastian Bachs Andante aus der Sonate für Violine solo Nr. 2 a-Moll, BWV 1003, gespielt von Mariya Nesterovska. Für den Film hat Heinz Zak viele Tage und Nächte zu jeder Jahreszeit am Ahornboden zugebracht und daraus eine essenzielle Bilderfolge von Sommer und Winter, Tag und Nacht, Sonne und Schnee gewonnen. Im Gespräch erzählt er, worauf es beim Fotografieren und Filmen von Landschaft ankommt, wie er sich gute Bilder erarbeitet und warum es ihn immer wieder ins Karwendel zieht.

Heinz Zak Mariya Nesterovska

Heinz Zak, fotografiert von Geigerin Mariya Nesterovska

Als Kletterer, Fotograf und Filmemacher haben Sie viele Weltgegenden bereist. Warum sind Sie Tirol zugleich immer eng verbunden geblieben?
Ich fühle mich ganz stark als Tiroler und ich bin stolz darauf. Vor allem freue ich mich, dass ich hier leben darf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mir woanders auf der Welt besser gehen könnte.
Die Wertschätzung, die ich für den Raum habe, ist sicher durch meine vielen Reisen in andere Länder gefördert worden. Ich genieße die unterschiedlichen Jahreszeiten. Ich freue mich über jede Blume, die wiederkommt. Ich mag wahnsinnig gerne das Wasser und die Seen – vor allem in den Bergen –, und die Berge selbst natürlich auch. 

Heinz Zak Sternensee

„Ich mag wahnsinnig gern das Wasser und die Seen – vor allem in den Bergen“ (Heinz Zak)

Sie haben als einer der Ersten das Freiklettern aus Amerika nach Tirol mitgebracht, zugleich haben Sie sich als Landschaftsfotograf etabliert. Woher kam die Inspiration dazu?
1988 war ich mit einem Freund und meiner Frau auf Amerikareise und habe mich dort für Naturfotografie zu interessieren begonnen. Ich habe die Bilder der großen amerikanischen Landschaftsfotografen wie Ansel Adams, Galen Rowell und David Muench gesehen und mir gedacht: Bei uns gibt es das nicht, sich so auf Landschaft zu fokussieren, die Landschaft für sich selbst sprechen zu lassen, ohne dass irgendwelche Leute durchs Bild laufen. Von da an habe ich mir vorgenommen, das Karwendel, meine wirkliche Bergheimat, und später auch das Stubai zu porträtieren. Ich bin dann auch ein paar Jahre lang nur im Karwendel herumgelaufen und später ein paar Jahre im Stubai. Bis heute zieht es mich da einfach hinein.
Auch als Kletterer habe ich dort viel gemacht. Die Kalkkögel waren meine ersten Kletterberge, später habe ich dort immer wieder Erstbegehungen gemacht, die wichtigsten aber im Karwendel.

Gerade in den Kalkkögeln und im Karwendel ist der Fels ja teilweise eher …
… bescheiden (lacht), aber das ist auch manchmal das Spannende. Es geht dann darum, ein Gefühl dafür zu haben, was man klettern kann, Verantwortung zu haben und sich zu entscheiden, ob man etwas machen kann oder nicht. Man muss es dann  langsamer machen und über dem Schwierigkeitsgrad weiter drüberstehen. Und wenn es einmal zum Umdrehen ist, dann ist es zum Umdrehen.
Es gibt mir auch eine Bestätigung und hat mich sicher in allen anderen Bereichen des Lebens unterstützt, dass ich weiß: Ich kann selbst gute Entscheidungen treffen und ich finde, auch wenn es anspruchsvoll ist, den richtigen Weg.

Salfeins mit Kalkkögel
Salfeins …

… mit den Kalkkögeln, dem ersten Klettergebiet von Heinz Zak.

Heinz Zak Inntal Nacht
Blick aufs Inntal

Lichtermeer unter dem rosigen Nachthimmel

Heinz Zak Schnee
Jede Schattierung …

… von Schnee und Himmel ist wichtig, wenn Zak nach dem perfekten Bild sucht.

Heinz Zak Mond
Lichtstimmungen

Manchmal wechselt das Licht so schnell, dass die Kamera schon parat sein muss.

Formen im Eis
Formen im Eis …

… geben durch eine Öffnung den Blick auf die Berge frei.

Mit den eigenen Fähigkeiten „weiter drüberzustehen“ zeichnet sowohl den Kletterer als auch den Fotografen Heinz Zak aus. In beiden Bereichen haben Sie es zu größter Meisterschaft gebracht. Mir fällt dazu der virtuose Pianist André Hamelin ein, der sagt: Virtuosität bedeutet, die Technik so zu beherrschen, dass man jederzeit alles ausdrücken kann, was man ausdrücken will. Ist das ein Gedanke, den Sie teilen können?
Bei mir sind es zwei Dinge: Klettern erlebe ich als Lebensstütze. Es tut meinem Körper gut, es hält meinen Kopf fit und es hat mir immer einen guten Weg gezeigt. Selbstverständlich sind Technik und Kraft die Basis dafür, dass ich kreativ und mit dem Gefühl entscheiden kann.
Interessanterweise gibt es eine Parallelität in der Fotografie, auch da ist das komplette Handwerk die Basis, von da aus entsteht auch die wirklich freie Kreativität. Je mehr die Technik in mir drinnen ist und je weniger ich über sie nachdenken muss, desto mehr kann ich mich darauf konzentrieren, wirklich meine Bilder zu finden. In erster Linie interessiert mich, möglichst stark meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Ich lege Wert darauf, dass das, was ich sehe, möglichst intensiv herüberkommt.
An ein wirklich gutes Bild muss ich mich oft erst heranarbeiten. Ich beschäftige mich sehr intensiv damit und will immer das beste Bild von etwas machen. Bei der Kletterfotografie habe ich so den Ruf erlangt, einer der weltbesten Fotografen zu sein. Mich nehmen auch immer noch Leute wie Alexander Huber oder der junge deutsche Superstar Fabian Buhl als Fotograf mit.

Heinz Zak Alexander Huber

Kletterer wie Alexander Huber engagieren Heinz Zak als Fotografen und Filmer.

Heinz Zak Rumpelstilzchen

Zak selbst erschloss im Karwendel Touren wie „Rumpelstilzchen“ (9+) in der Lafatscher Platte.

Wenn Sie Kletterer wie diese bei ihren extremen Touren fotografieren oder filmen, müssen Sie dann genauso gut klettern können wie sie?
Nein, nicht wirklich. Ich muss schon sehr fit sein, meine Position verändern oder selbst wo hinaufklettern können, um eine bestimmte Stelle zu fotografieren, aber in erster Linie geht es darum, sehr schnell die richtige Position zu finden und bestimmte Seiltechniken perfekt zu beherrschen.
Ich habe ganz früh spezielle Stelzen entwickelt, mit denen ich wie eine Spinne über die Wand hin- und herwandern kann. Das gibt mir einen größeren Bewegungsspielraum, weil ich weiter von der Wand weg sein und wie aus der Vogelperspektive draufschauen kann. Wenn ich ein andermal ein Detail suche, zum Beispiel nahe am Gesicht sein möchte, dann kann ich meine Position blitzartig verändern und näher herankommen. In der Kletterfotografie wollte ich immer beides: den Menschen festhalten, der es macht, und ihn mit seiner Route zu zeigen, die er geschafft hat. Seit Mitte der 1980er-Jahre war ich bei den Kletterern dabei und habe Meilensteine des Kletterns fotografieren können.

Adam Ondra
Heinz Zak Adam Ondra
Heinz Zak Stelzen

Um Kletterer wie Adam Ondra aus der Vogelperspektive oder ganz aus der Nähe fotografieren zu können, entwickelte Heinz Zak spezielle Stelzen, mit denen er seine Position blitzschnell verändern kann.

Macht es die digitale Fotografie heute einfacher?
Natürlich, weil man das Ergebnis weitgehend beurteilen kann und sieht, ob man es handwerklich richtig gemacht hat. In der Landschaft braucht man auch Glück. Du kannst zehn Mal zum selben Platz gehen und es passiert nie etwas. Wenn ein langweiliger blauer Himmel ist, dann sage ich: „Es war schön, aber ich kann wieder heimgehen.“ An anderen Tagen bleibt es nicht bei einem Bild, sondern es kommen auf einmal mehrere. Für mich war auch interessant, dass man seinen Horizont erweitern kann in Bezug auf das, was man überhaupt sieht und wohin man geht, um das Motiv zu finden.

Heinz Zak Oetztal See

Panorama mit See im Ötztal

Kommen Sie schneller zum richtigen Bild, wenn Sie in einem Gebiet wie dem Karwendel unterwegs sind, in dem Sie jeden Stein kennen …
… ich kenne jeden Baum (lacht). Ja, schon, natürlich. Ich sehe Gott sei Dank in die Entfernung wahnsinnig gut und habe auch ein sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Wenn ich sehe, dass von einem bestimmten Stein aus die Berge so und so dahinterstehen, dann gehe ich dahin. Ich krieche in jeden Graben hinein zu irgendwelchen Wasserfällen oder schaue zu vielen Bäumen hin, aber es muss natürlich auch etwas bieten.

… und dann kann das Licht wieder alles verändern.
Ja, das Licht macht die Bilder aus. Draußen auf dem Berg, wenn die Sonne aufgeht oder wenn es spezielle Wolken oder Lichtstimmungen gibt, begeistert mich das natürlich. Es verändert sich oft sekundenschnell. Dann muss man entweder die Kamera schon in der Hand haben oder es ist zu spät.

Film hat seine eigenen Gesetze. Es heißt in erster Linie, eine Geschichte zu erzählen, den Menschen einzubringen. 

Heinz Zak, Natur- und Kletterfilmer

Neben dem Fotografieren haben Sie sich auch das Filmen erschlossen. Muss man daran anders herangehen?
Ja, Film hat seine eigenen Gesetze. Film heißt in erster Linie, eine Geschichte zu erzählen, den Menschen einzubringen. Das einzelne Bild muss nicht so perfekt sein wie in der Fotografie, dafür müssen die Schnittbilder und die erzählerische Abfolge passen. 
Meinen ersten Film habe ich 2002 auf Einladung des Bayerischen Rundfunks gedreht, als Alexander Huber an der Westlichen Zinne eine ganz besondere Erstbegehung machte. Erst danach habe ich gesehen, was ich falsch gemacht habe (lacht). 
Später hat mein Film „Highliner“ mit Dean Potter bei einem der weltgrößten Bergfilmfestivals den ersten Preis gewonnen. Als ich Separate Reality geklettert bin, war die MDR-Kamerafrau Bettina Wobst  dabei. Und kürzlich habe ich einen Film über Adam Ondra gemacht, „Die Kunst des Kletterns“, außerdem Auftragsarbeiten für Fujifilm und das Stubai. Der Film über den Ahornboden für die Tirol Werbung entstand in Zusammenarbeit mit der Geigerin Mariya Nesterovska.

Mariya Nesterovska

Eingespieltes Team: Die Geigerin Mariya Nesterovska spielte Bachs „Andante“ zu Heinz Zaks Film ein …

Heinz Zak Dohle

… und fotografierte ihn mit Hut und Dohle in den Tiroler Bergen. Foto: Mariya Nesterovska

Allein daran, dass in diesem drei Minuten langen Film jede Jahreszeit und verschiedene Wetterstimmungen gezeigt werden, sieht man, dass Sie viel Zeit aufgewendet haben.
Die Arbeit dazu geht über Jahre. Zunächst wollte ich etwas über den Ahornboden machen und hatte die Idee zu einem Kunstwerk mit meinen Bildern und der Musik von Mariya Nesterovska. Sie hat mir mehrere Stücke vorgeschlagen und das Andante von Bach ist für mich die Musik zum Ahornboden.
Ich bin oft zum Ahornboden gegangen, auch im Winter, wenn man von ganz weit draußen nur zu Fuß oder mit den Skiern dorthin kommt. Ich wollte immer bei Schneetreiben drin sein, nicht bei schönem Wetter im Winter, sondern wenn es richtig schneit. Das ist auch ein Teil des Films, wenn es in der Nacht richtig schneit oder dann auch den ganzen Tag. Ähnlich war es mit den Sternen: Ich bin sicher in zehn ganz klaren Nächten hineingeradelt, um diese nächtlichen Bilder zu bekommen. Der Herbst am Ahornboden ist natürlich der Klassiker, aber es hat gedauert, bis ich es wirklich einmal erwischt habe, dass es schneit, wenn die Blätter noch gelb sind. Das ist natürlich einmalig.

Heinz Zak Ahornboden

Der „Klassiker“ Ahornboden im Herbst, nur ein Bild von vielen, die Heinz Zak an diesem besonderen Ort erstellt hat.

Einmalige Bilder haben amerikanische Landschaftsfotografen wie die von Ihnen genannten Ansel Adams, Galen Rowell und David Muench als Künstler berühmt gemacht. Erleben Sie bei uns eine ähnliche Wertschätzung für diese Art der Fotografie?
Mir sagen viele Leute, dass ihnen die Bilder wirklich gut gefallen, aber zugleich wird Fotografie kaum als etwas Künstlerisches oder Wertvolles angesehen. Ich würde mir wünschen, dass dem mehr Wertschätzung entgegengebracht wird. Kunst muss nicht künstlich heißen, es kann auch etwas sein, was ganz stark in der Natur zum Ausdruck kommt: die Kraft, die Reinheit, die Stille und dass es auch etwas für die Seele ist, was einem gut tut.

Vielen Dank für das Gespräch.

Heinz Zak Ahornboden

Heinz Zak (Film) und Mariya Nesterovska (Musik) hielten den Ahornboden in einem dreiminütigen Film im Jahreslauf fest.
Die Kurzversion wird als Kinospot der Tirol Werbung für kultur.tirol gezeigt. 

Heinz Zak

Kletterer, Fotograf und Filmer
Heinz Zak

Freude am Berg bei jeder Witterung: Heinz Zak

Heinz Zak, geboren am 23.3.1958, ist Extremkletterer, Slackliner, Bergfotograf, Filmemacher und vermittelt sein Wissen in Workshops und Vorträgen. Nach Büchern wie „High Life – Sportklettern weltweit“ (Bergverlag Rother 1987), „Rock Stars“ (Bergverlag Rother 1995), „Yosemite“ mit Alexander Huber (Bergverlag Rother 2003), „Karwendel“ (Tyrolia-Verlag 2014) und „Stubai“ (Tyrolia-Verlag 2016) erscheint im Herbst 2020 „Berge Tirol“, das in Kooperation mit der Tirol Werbung entsteht im Tyrolia-Verlag.

www.heinzzak.com
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