Kletterzentrum Innsbruck
Kletterzentrum Innsbruck

Klettern mit Durchblick

Ein internationaler Treffpunkt für den Spitzen- und Breitensport Klettern besteht seit 2017 mit dem Kletterzentrum Innsbruck – dahinter stecken architektonische Qualität und viel technisches Know-how. Text: Esther Pirchner
Bild: Severin Wegener

Enge Verbindung 

Einer der augenfälligsten Vorzüge des Kletterzentrum Innsbruck zeigt sich schon bei der Ankunft. Das Gebäude und die eindrucksvollen 17 Meter hohen Klettertürme davor liegen an einer der erst in den letzten Jahren aktivierten Achsen durch Innsbruck, auf denen Tausende Radfahrer und Fußgänger die Stadt durchqueren. Hier kommt vorbei, wer zwischen Stadtzentrum und weiter draußen liegenden Bezirken auf dem Weg zur oder von der Arbeit ist oder einen Ausflug ins Grüne macht. Viele bleiben stehen, wenn sie das Kletterzentrum passieren, sehen den Kletterern dabei zu, wie sie die Routen an den Wänden im Außenbereich bewältigen – Griff für Griff in allen Schwierigkeitsstufen bis hin zu internationalem Wettkampfniveau. Sogar an diesem sehr heißen Sommerabend, an dem uns Architekt Thomas Schnizer durch das Kletterzentrum führt, herrscht auf den Kletterwänden, im Bistro und an der Promenade reger Betrieb – ein Zeichen dafür, wie sehr dieser Ort mit der Stadt verbunden ist und wie lebendig er ist.

Licht von oben
Licht fällt …

… nachts von oben auf die Boulderwand im Außenbereich.

Durchblick
DurchblickE …

… gibt es in alle Richtungen.

Immer im Austausch …
Immer im Austausch …

… mit den Bergen.

Im Vorstieg
Lead, Speed, Bouldern

Wände für Vorstieg, Speed, Bouldern gibt es jeweils zwei Mal: innen und außen.

Reini Scherer
Neue Routen

Damit das Klettern spannend bleibt, baut Geschäftsführer Reini Scherer mit seinem Team laufend neue Routen.
Foto: Norbert Freudenthaler

Drei Türme …
Drei Türme …

… prägen den Outdoor-Bereich des Kletterzentrums

Schutzwand
Beste Lösungen

Aus den Entwürfen für die Gestaltung der Kletterwände wurde jeweils die beste Lösung ausgewählt.

Sportzentrum statt Industriebrache

Bis es so weit war, waren jedoch viel Vorbereitung, Einsatz, Kreativität und Forschergeist nötig. Das Klettern als sehr junge Sportart, die erst in den 1980er-Jahren in Europa Fuß fasste und um die Jahrtausendwende zum Breitensport wurde, fand seine erste Heimstätte in Innsbruck in der Kletterhalle im Tivoli und seinen wichtigsten Fürsprecher in Reinhold Scherer, den hier alle nur Reini nennen und der nach der Kletterhalle nun auch das Kletterzentrum leitet. Der (Wettkampf-)Sport verzweigte sich rasch in Vorstieg (Lead), Bouldern und Speedklettern und entwickelt sich in allen Bereichen permanent weiter. Das macht neue Gebäude, technisch aufwendige Wandgestaltungen, andere Routen und Griffe nötig – doch in einem Neubau ließ sich dies alles erst umsetzen, als die Stadt die Industriebrachen an der Sill systematisch aufzuarbeiten begann und sich für die Idee eines neuen, größeren, wettkampftauglichen Kletterzentrums mit guter Infrastruktur, in dem auch das Bundesleistungszentrum Platz finden konnte, begeisterte.

Das Kletterzentrum ist ein gutes Beispiel dafür, dass es nicht unbedingt der Einsatz von Geldmitteln ist, der zum Gelingen beiträgt, sondern das Zusammenkommen von Kompetenz und Begeisterung.

Thomas Schnizer, Architekt

Ein Ort für Freizeit und Wettkampf

2014 wurde ein europaweiter jurierter Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den Thomas Schnizer gewann. Ein Grund dafür, erzählt er, sei eine Idee gewesen, die sich von der Vorstudie zum Wettbewerb und den anderen Entwürfen abhob: Statt die Outdoor-Anlagen am Gebäude selbst zu positionieren, verlegte er einen Großteil dieser Wände auf drei freistehende Türme. Dadurch gelang die Anbindung an die Stadt und es bildete sich eine Arena, in der die Infrastruktur für Wettbewerbe, vor allem aber auch ein zahlreich erscheinendes Publikum Raum finden. Spätestens bei der Kletter-WM vom 6. bis 16. September 2018, wenn hier die Qualifikationen in Lead, Speed und Paraclimbing stattfinden, wird dieser Vorzug der Außengestaltung am Kletterzentrum zum Tragen kommen.

Klettertürme
Sonnenaufgang Kletterzentrum
Trainingsfläche Kletterzentrum

Permanente Entwicklung

„Kletteranlagen“, sagt Thomas Schnizer, „haben keine klare Typologie, sie sind viel freier“ als beispielweise Schulen oder Pflegeheime. Zugleich gibt es bestimmte Sachzwänge im Sport, sodass auch pragmatische Entscheidungen gefällt werden müssen. Das führte dazu, dass der Entwurf nach dem Wettbewerb vor allem im Inneren der Halle in etlichen Punkten verändert wurde und auch in den Außenanlagen die Türme so umgestaltet wurden, dass das Klettern auf beiden Seiten eine sportliche Herausforderung ist. Dass das alles so gut gelungen ist, ist dem hochprofessionellen Team und der Begeisterung aller Beteiligten für das Projekt zu verdanken: Thomas Schnizer und sein Architektenteam, Reini Scherer und das Team des Kletterzentrums, Georg Preyer von der Innsbrucker Immobiliengesellschaft als Projektleiter, Ingenieurteams für Bau, Haustechnik etc., schließlich die in einem weiteren Wettbewerb dazugekommene Firma Walltopia für den Kletterwandbau.

Thomas Schnizer

Thomas Schnizer

Der Architekt Thomas Schnizer mit Büros in Innsbruck und Wien plant Schulen, Sportstätten, andere öffentliche Bauten wie Sammelzentren oder Feuerwachen, Shopping Center und Wohnbauten. Das Kletterzentrum Innsbruck entstand nach einem offenen, europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb.

www.architekt-schnizer.com

Auf der Suche nach optimalen Lösungen

Man sieht dem Bau an, dass hier alle gemeinsam die jeweils optimale Lösung gesucht haben. Ein zentrales Thema bei allen seinen Entwürfen ist für Thomas Schnizer die Transparenz. Im Kletterzentrum zeigt sich das an den Durchsichten in alle Richtungen: Es gibt vielfältige Blickachsen zwischen den einzelnen Bereichen des Gebäudes, ins Gebäude hinein bzw. aus ihm hinaus, zwischen den Klettertürmen hindurch, sodass die Berge rundum ins Bild einbezogen sind. Wer im Bistro sitzt, hat draußen beste Sicht auf die Türme, drinnen auf die Lead-Wettkampfwand, die inzwischen auch mehrere einfachere Routen enthält, damit auch im Alltag dort geklettert wird.

Kletterwand vor Bergen

Funktion vor Chic

Bei den Materialien – Stahlbeton, Glas, Stahl, Klettpaneele aus beschichtetem Sperrholz und GFK-Platten, gesandete Sperrholzplatten – ging es Schnizer um eine möglichst natürliche, materialgerechte Verarbeitung. Die Zweckmäßigkeit hatte Vorrang vor der Eleganz, etwa bei der Anbringung von Sicherheitsmarkierungen am Glas, bei der Verwendung einfacher verzinkter Stahlgitter für die Treppen zum Boulderbereich oder beim Sicherheitsboden. Letzterer ist zwar weniger schick als ein Betonboden, bewährte sich aber sogar im Extremfall, als ein Kletterer aus großer Höhe abstürzte und nur leicht verletzt wurde. Insgesamt tat der Verzicht auf Veredelung nicht nur dem Budget gut, die Rauheit des Gebäudes passt auch gut zu seiner Funktion.

Timelapse Kletterzentrum

Ein lebendiges Zentrum für alle

Der Sicherheitsboden ist eines von mehreren Features, die das Kletterzentrum derzeit als eines der besten der Welt auszeichnen. Auch die Größe und die Wandgestaltung – bis vor kurzem war es alleine technisch nicht möglich, so komplizierte Geometrien umzusetzen – haben kaum Vergleiche zu scheuen. Reini Scherer – „einer der weltbesten Routenbauer“, wie Schnizer sagt – und sein Team verändern zudem permanent die Routen, damit auch Sportler, die oft hierher kommen, immer wieder neue Herausforderungen finden.
Dementsprechend herrscht hier immer reges Treiben und zugleich eine entspannte Atmosphäre. Spitzensportler wie Jakob Schubert oder Jessica Pilz verbringen hier ihre Trainingszeiten, begeisterte Anfänger und leicht Fortgeschrittene finden sich ebenso hier ein wie Menschen mit Behinderung zum therapeutischen Klettern. Und Thomas Schnizer zeigt sich auf unserer Tour mit dem Ergebnis des monatelangen Feilens an diesem Projekt zufrieden: „An den eigenen Sachen sieht man sich oft ab“, meint er, „aber das Kletterzentrum gefällt mir immer noch sehr.“ 

Kletterzentrum Innsbruck

Bergsport findet Stadt.
Kletterzentrum Innsbrucl

17 m Wandhöhe
550 Kletterrouten
5 Toppas
200 Boulder
50.000 Klettergriffe
1.250 m2 Boulder-Kletterfläche
4.500 m2 Seilklettern-Kletterfläche
4 Speedbahnen 

Matthias-Schmid-Straße 12c
6020 Innsbruck
Tel. 0512/3973400
info@kletterzentrum-innsbruck.at

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