Sportfotograf Dominic Ebenbichler
Sportfotograf Dominic Ebenbichler

Im Fokus

Der Absamer Dominic Ebenbichler verbindet mit seinen Bildern Sport und Kultur. Ein Gespräch über Weltmeisterschaften, Olympische Spiele und den Blick durch die Linse. Interview: Julia Tapfer
Bild: Dominic Ebenbichler
Dominic Ebenbichler

Foto: Dominic Ebenbichler

Dominic Ebenbichler war bis zu seinem 23. Lebensjahr Profischwimmer. Der Tiroler schwamm in Europa ganz vorne mit, schaffte es aber nie an die Weltspitze. Zu Olympia kam er trotzdem – und das sogar sieben Mal. Zwar nicht im Schwimmbecken, sondern am Beckenrand, hinter den Banden des Spielfelds und neben den Skipisten. Dominic arbeitete als Sportfotograf für renommierte Agenturen wie Reuters und legte dabei schon in jungen Jahren eine steile Karriere hin. Ein Gespräch mit dem 39-Jährigen über die Highlights seiner beruflichen Laufbahn und die Besonderheiten der Sportfotografie. 

Du schreibst auf deiner Homepage, bei deiner Arbeit als Fotograf gehe es um Leidenschaft, Inspiration, Perfektion und Engagement. Wann hat dich die Leidenschaft fürs Fotografieren gepackt?

Das ist eigentlich schon früh passiert. Mein Papa hat immer schon eine relativ gute Fotoausrüstung gehabt. Wenn Familienfotos gemacht wurden, hat das immer ewig gedauert. Ich habe es gehasst und mir gedacht: „Das kann doch nicht so schwierig sein!“ Und dann habe ich angefangen zu fotografieren. 

Wie landeten deine Bilder dann aber in der Zeitung?

Während meiner Schulzeit habe ich als freier Mitarbeiter für das Sportressort der Bezirksblätter gearbeitet. Da habe ich mir als Schreibender ein bisschen Geld dazuverdient und hatte den lokalen Fußball in der Region Hall über. Die Fotos kamen meist von den Vereinen und waren einfach nur schlecht. Deshalb habe ich selbst begonnen zu fotografieren und bin dann auch draufgekommen, dass ich für das Bild mehr verdiene als für die Zeile. (lacht) Wolfgang Zoller von der Bildredaktion der Tiroler Tageszeitung – leider ist er bereits verstorben – kam damals zu mir und sagte: „Du bist extrem talentiert, mach etwas draus!“ Er hat mir dann sehr viel in Bezug auf das Verständnis, wie eine Kamera funktioniert, und über Belichtungstechnik beigebracht.

Mountainbiker bei Sonnenaufgang am Berg

Foto: Dominic Ebenbichler

Dann engagierte dich eine Agentur und die ersten großen Aufträge kamen rein. Wie kam es dazu?

Ich bin wahnsinnig schnell in die Fotografie reingerutscht, so schnell hab ich gar nicht schauen können. Ich hatte mein BWL-Studium begonnen und saß in der Bibliothek, als der Agenturchef mich anrief und sagte: „Dominic, kannst du in drei Tagen nach Miami fliegen?“ Von dort sollte ich dann direkt weiter nach Moskau, dafür müsste ich mir sofort in Salzburg ein Visum besorgen. Drei Tage später war ich in Miami und fotografierte die ATP Masters in Key Biscayne. Ich bin also gleich am obersten Tennislevel angekommen. Key Biscayne war gewissermaßen mein Kick-off. 

Du warst in jungen Jahren Profischwimmer. Bist du auch deshalb Sportfotograf geworden?

Ja, schon irgendwie. Beim Schwimmen habe ich es nicht ganz nach oben geschafft, Olympia war mir nicht vergönnt. Die großen Stadien, die vielen Leute und die gute Stimmung übten aber immer schon einen gewissen Reiz auf mich aus. Als Sportfotograf hilft es sehr, wenn du die Sportart zumindest verstehst, im besten Fall sogar selbst ausübst. Zudem kann man sich in die Sportler hineinversetzen, wenn man selbst Leistungssportler war. Egal bei welcher Weltmeisterschaft ich bin, weiß ich genau, wie wichtig das für jeden einzelnen Athleten ist.

Im richtigen Moment abgedrückt: ein Schwimmer beim Wettkampf aus nächster Nähe

Dominic Ebenbichler hat bereits einige Preise bei Fotowettbewerben gewonnen. Welche genau, weiß er nicht mehr. Solche Wettbewerbe waren ihm nie wichtig und werden ihm auch nie wichtig sein, meint er. Zudem verpasse er immer den Einsendeschluss, schmunzelt er.

Foto: Dominic Ebenbichler

Was ist dir bei deinen Fotos wichtig? Was ist dein Leitfaden?

Als Sportfotograf möchtest du den Menschen zeigen, wie intensiv der Sport ist. Ich möchte die Dynamik festhalten, das Dramatische im Sport und vor allem die Emotionen. Wenn du es schaffst, dass das Bild ohne Text in der Zeitung stehen könnte und jeder weiß, worum es geht, hast du es richtig gemacht. Das hat mir Wolfgang Zoller immer gesagt und das war mein Leitfaden: mit einem Bild eine Geschichte zu erzählen. 

Was ist der Reiz daran, Sportler zu fotografieren?

Ich würde nie in einem Studio fotografieren wollen. Dafür braucht es Menschen, die es lieben, fünf Stunden für ein Bild in einem Raum zu stehen und zu experimentieren. Sportfotografie passiert meist draußen. Beim Skifahren muss man ein gutes Foto in dem Moment machen, wenn der Sportler vorbeifährt. Beim Tennis hingegen geht es schon eher in Richtung künstlerische Fotografie. Hier hat man sehr viel Zeit, kann sich meist sehr frei bewegen und verschiedene Perspektiven ausprobieren. 

Wie wichtig ist Top-Equipment, wie wichtig das Können?

Diese Frage höre ich oft. Bis zu einem gewissen Punkt macht das Equipment es sicher leichter, ein scharfes Bild zu machen. Früher war das die Challenge, damals gab es noch keinen Autofokus. Mittlerweile ist der aber so gut, dass man sich schon blöd anstellen muss, um das Bild nicht scharf hinzukriegen. Aber das Equipment ersetzt das Auge nicht. Definitiv nicht.

Kann man sich das Auge“ antrainieren?

Das ist schon relativ viel Talent, würde man im Sport sagen. Ich glaube, das Auge kann man nur bis zu einem gewissen Grad schulen. Ich war ja noch sehr jung, als ich anfing, Bundesligaspiele zu fotografieren. Ich bin nach den Spielen heim und hab mehrere Stunden lang Fotos von anderen Fotografen angeschaut, die beim selben Spiel waren. Ich habe eigentlich den ganzen Tag lang Bilder angeschaut, wenn ich nicht selbst fotografiert habe.

Ein schlechtes Bild wird auch durch Photoshop nie ein gutes Bild werden.

Dominic Ebenbichler

Ist das Wissen um Belichtung und Funktionsweise einer Kamera in der heutigen Zeit der Digitalfotografie weniger wichtig als früher?

Früher ist man mit einem Belichtungsmesser durch die Gegend gelaufen, heute braucht man das Verständnis vielleicht nicht mehr ganz so sehr. Aber wenn ich mein Bild nicht gut belichte, dann leidet die Qualität. Da ist auch mit Photoshop nichts zu retten. 

Wie stehst du zur Bildnachbearbeitung am Computer?

Nachbearbeitung gehört zum Alltag, aber ich mache es nur minimal. Ich bin echt schlecht im Umgang mit Photoshop. Ich habe immer die Meinung vertreten: Wenn ich nicht g’scheit fotografiere, dann gibt’s dieses Bild eben nicht für mich. Ein schlechtes Bild wird auch durch Nachbearbeitung nie ein gutes Bild werden. Aber klar, man braucht Photoshop für leichte Belichtungskorrektur oder etwas mehr Kontrast. Ich bin aber niemand, der einen Kirchturm einsetzt, wo er nicht war. 

Wie sehr muss man sich für Sportfotos „reinhängen“, auch im wortwörtlichen Sinn, wenn man zum Beispiel Kletterer am Fels fotografieren will?

Du wirst nie ein gutes Kletterfoto machen, wenn du nicht klettern kannst. Du wirst aber auch nie ein Freeridefoto machen, wenn du nicht sehr gut Ski fährst. Dann wirst du nämlich einfach nicht zu den Stellen hinkommen, die richtig geil sind.

Freerider am Berg

Foto: Dominic Ebenbichler

Du bist selbst Freerider und machst auch viele Shootings im Winter am Berg. Wie kommst du mit dem ganzen Equipment dort rauf? Was ist die Herausforderung beim Shooting?

Viele Anfänger machen den Fehler und schleppen fast 40 Kilo Equipment mit. Mit der Zeit wird man einfach schlauer und erfahrener. Ich nehme so wenig Equipment wie möglich mit und weiß mittlerweile genau, welche Kamera und Linsen ich brauche. Beim Freeriden musst du deinen Leuten vertrauen können und wissen, was du ihnen zumuten kannst und welche Instruktionen du geben musst. Du hast nämlich nur eine Chance. Entweder es klappt oder du versaust es. Es gibt kein zweites Mal, denn da ist dann schon eine Spur in den Schnee gefahren, die du nicht mehr verdecken kannst. 

Siehst du dich eher als Handwerker oder als Künstler?

Da hab ich noch nie wirklich darüber nachgedacht. Viele sagen, das Fotografieren ist künstlerisch angehaucht. Ich finde, es ist ein ganz normaler Job – vor allem wenn es für einen Kunden ist. Deshalb wahrscheinlich eher ein Handwerk. 

Was waren für dich die Highlights deiner bisherigen Karriere als Sportfotograf?

Die ersten Olympischen Spiele sind immer etwas Spezielles, vor allem wenn man selbst Sportler war. 2004 waren die Olympischen Spiele in Athen, das war schon sehr cool. Auch das Australian Open wird mir immer in Erinnerung bleiben, das war ein Mega-Event mit riesigen Stadien und extrem vielen Leuten, das war lässig. Ein anderes schönes Erlebnis war in Berlin, als ich einer der sechs Fotografen

„in field" beim Leichtathletikbewerb war. Da läuft man auch die Ehrenrunde mit und kennt sich untereinander. Da hat mich Usain Bolt umarmt. Leider gibt es kein Foto davon, aber das war schon witzig.

Ein Turmspringer nach dem Absprung

Foto: Dominic Ebenbichler

Du hast auf so vielen Großveranstaltungen fotografiert, stumpft man da nicht irgendwann ab?

Total. Je mehr Olympische Spiele ich fotografiert habe, desto mehr wurden sie zu einem Job. Es ist wahnsinnig viel Arbeit und Stress. Viele Leute unterschätzen das und fragen mich ganz begeistert, wie denn der eine oder andere Bewerb war. Ich kann’s nicht sagen. Ich habe durch die Kamera geschaut und da kriegt man nichts mit. Und das heuer in Korea waren für mich keine Olympischen Spiele. Bei der Herrenabfahrt waren 92 Zuschauer auf der Tribüne, das war bitter, da war null Feeling. Das war für mich auch ein Zeichen, dass es jetzt langsam für mich genug im Newsbereich ist. Der Winter war auch extrem. Ich habe unseren Familienbetrieb, eine Skischule am Glungezer, übernommen. Zeitlich wäre sich nicht mehr alles ausgegangen, deshalb habe ich diese Entscheidung getroffen. Jetzt arbeite ich nicht mehr für die Agentur, sondern konzentriere mich auf Shootings im selbstständigen Bereich. 

Wo willst du noch hin, was sind deine Träume?

In diesem Job muss man immer schauen, was sich ergibt. Es ist schwer vorherzusagen, was man machen wird. Ich möchte einfach viele Shootings und schöne Bilder machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Entspannung am Berg Entspannung am Berg
Sportfotograf aus Tirol

Dominic Ebenbichler

Der Absamer Fotograf kam schon mehrmals um die ganze Welt und hat Spitzensportler fotografiert.

Zur Webseite
Bilder in Schichten

Bilder in Schichten

Vom 19. Mai bis 26. Oktober 2018 stehen Freskenmalerei und …

Faszination Fahrrad

Faszination Fahrrad

Im Zeughaus dreht sich derzeit alles ums Rad. Wie der …

Wie klingt unsere Zeit?

Wie klingt unsere Zeit?

Vor 20 Jahren gründete Gerhard Sammer das Tiroler …