Hochzeiten und Heiraten beim Kaiser

Liebesg'schichten
und
Heiratssachen

Machtpolitik spielte im Leben des „letzten Ritters“ stets eine wichtige Rolle. Hochzeiten gehörten zwingend dazu. Das Leben des Kaisers kennzeichnen daher einige interessante Liebesgeschichten und Hochzeiten, die eigentlich in keiner Biografie unerwähnt bleiben dürfen. Haris Kovacevic

Titelbild: Wikimedia Commons
Holzschnitt von Albrecht Dürer

Maximilian I. wollte ein Hasardeur sein, hoch pokern und sah das Leben als Abenteuer. Ganz im Gegensatz zu seinem Vater, der stets die Etikette wahren wollte. Das Leben der Hochadeligen vor 500 Jahren war von einer Reihe geschriebener und ungeschriebener Regeln bestimmt: Ehen und Verlöbnisse beispielsweise kamen nicht durch freie Wahl zustande, sondern waren Ergebnis weitreichender Überlegungen zu möglichen Todesfällen und daraus folgenden Erbmöglichkeiten. Dass bei den angehenden Eheleuten aber gutes Aussehen auch eine Rolle gespielt hat, belegt die Liebesgeschichte von Maximilians Eltern.

Nicht, dass sie photoshopt

Auf dem Hof Friedrichs III., des Vaters von Maximilian, war immer was los. Ständig war Besuch da. Der angehende Kaiser wuchs nämlich als Vollwaise auf und seine Eltern hatten ihm noch keine Ehefrau bestimmt. Da er, unerfahren wie er war, nicht wusste, wie das Spiel lief, wollte er immer auch wissen, wie seine potenziellen Frauen aussahen, obwohl das natürlich keine Rolle spielen durfte. Während er umworben wurde, hörte er von einer schönen Prinzessin im weit entfernten Portugal, die den Namen Eleonore trug und jeden verzauberte, den sie anblickte. So ganz wollte Friedrich den Geschichten aber nicht Glauben schenken, da er wusste, dass man ihn auch übers Ohr hauen würde, nur um seine Titel zu bekommen. Die Gerüchte ließen ihm aber keine Ruhe und schlussendlich wollte er Bilder sehen.

Während er umworben wurde, hörte er von einer schönen Prinzessin im weit entfernten Portugal.

Wie sollte er aber dazu kommen? Instagram, Facebook oder gar Tinder gab es nicht, ja nicht einmal einfache Fotoapparate. Kann er in den Briefen in einer Parenthese einfach erwähnen, dass er gern ein gemaltes Porträt hätte? Das wäre unhöflich, außerdem könnte sie schummeln. Also schickte Friedrich kurzerhand einen Maler nach Portugal, der ihm ein realistisches Bild der Prinzessin machen sollte.

Die Leinwand wurde in Portugal gespannt, Friedrichs Maler ließ die Farben sprechen und kam persönlich mit dem Bild wieder nach Hause. Als Friedrich das Porträt erblickte, ging alles ganz schnell. Die Hochzeitsverhandlungen wurden rasch angegangen. (Bis heute können sich Historiker nicht genau erklären, wieso es gerade zu dieser Verbindung kam.) Zwischendurch wurde die 15-jährige Portugiesin vom französischen König umworben, doch konnten dessen Versprechen nicht mit einem Kaisertitel mithalten.

Wieso es genau zu der Verbindung zwischen Friedrich III. und Eleonore von Portugal gekommen ist, können sich Historiker nicht genau erklären.

Foto (Detail): Wikimedia Commons

Nach einer turbulenten Überfahrt kam sie in Siena an. Dort erblasste Friedrich, als er sie zum ersten Mal live erblickte. Nicht etwa, weil sie nicht den Bildern entsprach, sondern weil er sah, wie zierlich ihre Statur war, und Zweifel in ihm aufstiegen, ob sie ihm einen Nachfahren gebären könnte. Für derartige Überlegungen war es allerdings schon zu spät, denn der Papst wurde schon eingekleidet, um die beiden zu verheiraten und Friedrich schlussendlich zum Kaiser zu krönen. So geschah es dann auch und ging in die Geschichte ein als die letzte Kaiserkrönung in Rom. Friedrichs Befürchtungen, dass ihm Eleonore keinen Nachfahren gebären könne, erwiesen sich, wie wir heute wissen, als unbegründet. Einer der Nachfahren bekam nämlich den Namen Maximilian.

Seine später große Liebe

„Karl der Kühne ist tot!“ Ein Aufschrei sondergleichen ist im Burgunderland zu vernehmen. In der Schlacht ist er gefallen, in einer der vielen, die er geführt hat. Doch was erwartet die Untertanen nun? Schließlich hat Karl viele Kriege gewonnen, doch keinen männlichen Erben gezeugt, so wie es das Burgunderrecht vorschreibt. Nur die Tochter Maria hinterlässt er und viele Fragezeichen. Der Thron ist heiß begehrt, das Land reich, die schönsten und teuersten Stoffe kommen von hier. Schon möchte der französische König die Notlage ausnutzen, doch die Burgunder wollen ihn nicht. Eine Frau auf dem Thron aber eigentlich auch nicht.

Karl der Kühne ist tot!

Währenddessen in Wiener Neustadt: Friedrich III. sitzt mit seinem Sohn Max und seiner Tochter Kunigunde in einer Burg und überlegt, was er nun machen soll. Das Geld ist knapp, die Probleme sind groß. Im Osten machen die Ungarn Schwierigkeiten, im Westen die Franzosen. Außerdem streunen Raubritter durch die Wälder und lassen niemanden in Ruhe. Es läuft wahrlich nicht gut im Hause Österreich.

Da flattert auf einmal ein Brief durch den Türschlitz. Maria von Burgund erklärt ihre Notlage und bittet dringend um Hilfe. Es sei genug verhandelt worden, die verhandelte Mitgift solle gewährt sein. Hauptsache, Max macht sich gleich auf den Weg zu ihr. Apropos Geld, dachte sich Maximilian, als er sich kurze Zeit später auf den Weg machte: In diesen Klamotten kann ich schlecht in Burgund auftreten, was macht das für einen Eindruck auf meine zukünftigen Untertanen? Der Brief von Maria kam quasi im letzten Moment. Als sie von seiner Notlage erfuhr, musste sie ihre Tante, Margarete von York, um Hilfe bitten, mit der sie eine innige Beziehung pflegte. Diese wollte es dann nicht an ein paar Gulden scheitern lassen und vermachte Max 100.000, damit er sich und sein Gefolge schön anziehe.

Als Max schlussendlich ankam bewunderten alle seine schönen Kleider und die seines Gefolges. Er war froh mit dieser Heirat seiner Familie helfen zu können, und entdeckte in den darauffolgenden Jahren, wie wichtig es doch war, gut zu heiraten.

Abbildung  von Kaiser Maximilian und Maria von Burgund auf Schloss Tratzberg - der Kaiser sprach nach Marias frühem Tod von großer Liebe.

Fotocredit: Schloss Tratzberg

Maria schenkte ihm drei Kinder und füllte die Kassen. Leider starb sie tragisch bei einem Reitunfall. Mit Wohlwollen erinnerte sich Max später an seine erste Frau und sprach von großer Liebe.

Zwist zwischen zwei

Über Maximilians Hochzeit mit Maria von Burgund war Karl VIII. von Frankreich not amused. Schließlich wollte er das französische Burgund zurückholen. Maximilian wusste, dass ein Konflikt mit dem französischen König, angesichts der Probleme mit Ungarn und den Osmanen, nicht unbedingt erstrebenswert war. Um sich mit ihm halbwegs gut zu stellen, versprach er seine Tochter Margarete. Diese solle sogar in Frankreich aufwachsen, damit sie die Gepflogenheiten und Bräuche des französischen Hofs so gut es geht verinnerliche.

Währenddessen schaute sich Maximilian selbst weiter um. Herzogin Anne, Erbin der Bretagne, besaß alle Vorzüge, die er sich wünschen konnte: Einfluss, Ansehen und vor allem ein weiteres Herzogtum.

Über Maximilians Hochzeit mit Maria von Burgund war Karl VIII. von Frankreich not Amused

Damit da nichts dazwischenkommt, schickte Max den schönen Pohlheim in die Bretagne, um Anne stellvertretend zu heiraten. Das war damals durchaus üblich und wurde Ehe per procurationem oder Handschuhhochzeit genannt. Wolfgang von Polheim war sein Kindheits- und Jugendfreund. Wie aber verlief eine solche Hochzeit? Wolfgang musste nach dem Ja-Wort ein Bein von der Rüstung befreien und mit seinem Knie die im Bett liegende Anne berühren. Ein symbolischer Akt, der versicherte, dass alles unter Dach und Fach war, auch wenn sich die Eheleute nie gesehen hatten.

Anne de Bretagne war auf einmal sehr begehrt. Zwischen Kaiser Maximilian I. und König Karl VIII. wurde ein Zwist entfacht, der weit über ihre Lebenszeit andauern sollte.

Bild: Jean Bourdichon 

Genau hier tritt Karl VIII. in Szene: Er schickt nicht bloß Margarethe heim zu ihrem Papa, die zukünftig mit einem französischen Touch auftrat, er heiratete auch noch Anne, die Erbin der Bretagne und rächte sich damit gleich doppelt an Maximilian. Der Papst annullierte die in Abwesenheit von Maximilian geschlossene Ehe. Der Konflikt zwischen den österreichischen Erblanden und dem französischen Königreich sollte 250 Jahre andauern.

It's all about the money

Da saß also nun der Kaiser auf seinem Thron herum, unverheiratet und knapp bei Kasse, wie so oft. Er musste schnell einsehen, dass er nicht lange fackeln und die gescheiterte Ehe mit Anne nicht auf sein Gemüt schlagen lassen durfte. Frauen gab es viele, die er heiraten konnte. Da hörte er von der reichen Familie Sforza. Diese hatte sich, zum Teil durch hinterlistige Machenschaften, die Macht in Mailand unter den Nagel gerissen, konnten sich dort aber nur schwer legitimieren und etablieren.

Das Familienoberhaupt Ludovico „il Moro“ nahm viel Geld in die Hand, damit der Kaiser seine Nichte Bianca Maria heirate, was jener, ob seiner finanziellen Not, tatsächlich auch tat. Die Ehe war aufgrund des enormen Standesunterschieds alles andere als typisch. Maximilian verlor dabei auch jedes Gespür für gute Manieren: Bis zum ersten Date brauchte es vier Monate – nach der vertraglichen Hochzeit (schon wieder glänzte der Kaiser durch Abwesenheit). Maximilian schätzte Bianca Maria nicht sehr und machte daraus auch keinen Hehl. Er betonte stets, wie verliebt er in Maria von Burgund gewesen sei und dass nur die erste Ehe wirklich etwas zähle.

Fast schon symbolisch dreht Kaiser Maximilian in dieser Abbildung auf Schloss Tratzberg Bianca Maria den Rücken zu.

Fotocredit: Schloss Tratzberg

Traurig und allein verbrachte Bianca Maria ihre Zeit in Innsbruck und Hall und verstarb schließlich kinderlos. Maximilian aber war recht umtriebig und aus dieser Zeit sind mehrere Liebschaften bekannt. Einige seiner unehelichen Kinder sollten bedeutende Rollen einnehmen: Sein Sohn Georg wurde Erzbischoff von Valencia, während Tochter Dorothea Johann I. von Ostfriesland heiratete und ihren Erstgeborenen, wie sollte es anders sein, Maximilian nannte.

Keine Angst, ich bin ja da!

Die Ehe mit Bianca Maria sollte auch die letzte des Kaisers bleiben. Max entdeckte aber die Macht von Hochzeiten und benutzte sie fortan als Instrument, um seine Herrschaft und Macht zu erweitern. So arrangierte er für seine Kinder, Enkel und Enkelinnen Ehen, die weitereichende Folgen haben sollten. Legendär sind dabei die zwei Doppelhochzeiten geblieben, die er einfädelte. Bei der spanischen Doppelhochzeit verheiratete das spanische Königspaar ihre Tochter Johanna (später „die Wahnsinnige“ genannt) von Kastilien und Aragón und ihren Sohn Don Juan von Asturien mit Maximilians Kindern Philipp (genannt „der Schöne“) und Margarete von Österreich. Praktisch war hierbei, dass sich die Mitgiften aufhoben, da beide Seiten Kinder beider Geschlechter weggaben.

Das weltberühmte Bild entstand vermutlich anlässlich der Wiener Doppelhochzeit, die Kaiser Maximilian einfädelte.

Bild: Datenbank Kunsthistorisches Museum Wien 

Als er aber 1515 die zweite Doppelhochzeit (Wiener Doppelhochzeit) mit dem polnischen Adelsgeschlecht, den Jagiellonen, fixierte, konnte Max nicht sagen, welcher seiner Enkel, Ferdinand oder Karl, Anna von Böhmen und Ungarn heiraten sollte. Das polnische Adelsgeschlecht geriet in Unruhe. Es wirkte auf sie so, als wollte sich der Habsburger aus der Affäre ziehen. Um seine Gäste zu beruhigen, verlobte sich Maximilian kurzerhand selbst mit Anna und versicherte damit, dass sie in die Familie eintreten würde. Später sollte sie Ferdinand ehelichen. Max selbst blieb bis zu seinem Tod 1519 Single.

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