Heart of Noise 2018 Juan Atkins
„Decocooning Society"

Heart of Noise 2018

Weitaus mehr als ein Musikfestival ist „Heart of Noise“, das vom 30. Mai bis 2. Juni 2018 in Innsbruck stattfindet.

Hintergrund. Ausstrahlung.

Vielleicht ist das, was „Heart of Noise“ in seinen Grundzügen am stärksten kennzeichnet, die unbedingte Offenheit gegenüber verschiedenen aktuellen Strömungen in der Musik und anderen Kunstsparten. Betrachtet man die Themen vergangener Ausgaben des Festivals, fällt auf, dass es immer um dieses Mehr an künstlerischen Möglichkeiten, den Ausblick in andere Genres, Denkweisen oder Imaginationswelten geht. Sei es „Pop Life“ 2017 oder „Dub and the Heart of Darkness“ 2016, nie ist zielt das Motto nur auf den jeweiligen Musikstil ab, sondern auf den philosophisch-geistigen Hintergrund, um die gesellschaftlichen Vorbedingungen und Auswirkungen solcher künstlerischen Entwicklungen. 2018 erreicht dieser kultur- und sozialphilosophische Ansatz eine neue Ebene, indem mit „Decocooning Society“ eine „temporäre autonome Zone“ geschaffen werden soll, in der „Emanzipation, Widerstand, Hauntology und Hedonismus, eine Fortsetzung der Utopie des Totalausstieges, Pop Life“ wirken können sollen. Unterstrichen wird dies durch die Einbindung des stadt_potenziale-Projekts „Ohne Theorie keine Revolution“ am zweiten Festivaltag.

Heart of Noise möchte das Mosaik von E und U zerbrechen und seine Teile wieder zusammenführen. Schluss mit Cocooning, Schluss mit Standesdünkel, kein Fußbreit der Apartheid.

Stefan Meister, Chris Koubek

„Decocooning Society“

Am „Aufbrechen der Kokons“, das die Frage nach der Zukunft von Kunst und Kultur stellt, ist selbstverständlich wieder eine ganze Reihe von Künstlern beteiligt, die genau an diesen Schnittstellen arbeiten oder sich um Begrenzungen ohnehin nicht scheren. Innerhalb dieses Kosmos ist Platz für vielfältige Schwerpunkte, wenn etwa am Eröffnungsabend Glenn Underground, Arpanet und Juan Atkins die Frühzeit des von Detroit Techno und Chicago House heraufbeschwören; musikalische Grenzgänger wie Godfesh, Bliss Signal, Lee Gamble oder Tim Hecker konzertieren oder die Ausstellung „Tapes, Kassetten und K7“ in der Bäckerei ihren musikalischen Widerhall in Auftritten von Künstlern findet, die mit Tapes arbeiten: Awesome Tapes of Africa, Valerio Tricoli, Marc Baron und Tape Loop Orchestra.

Alec Empire
Alec Empire

„The Destroyer“ feat. Lillevan

Lee Gamble
Lee Gamble

Neue Ausdrucksformen von Computermusik

Tomoko Sauvage
Tomoko Sauvage

Klang von Wasser, Eis und Keramik

Foto: Camille Olivieri

Klein
Klein

Afrofuturistische Visionen

Hörensehen

Eine andere Verbindung, in gewisser Weise die selbstverständlichste im Bereich der elektronischen und anderer aktueller Musik, ist jene mit Visualisierungen aller Art. Dass sie zu Heart of Noise unmittelbar dazugehört, stellten die Veranstalter mit dem allerersten Event 2011 klar, einer audiovisuellen Co-Produktion von Sound Artist Christian Fennesz mit Videokünstler Lillevan. 2018 wird diese Linie fortgeführt: mit der Kollaboration von Jlin und der Videokünstlerin Theresa Baumgartner, mit Filmvertonungen von Ekin Fil, mit Videokunst von Lillevan zu Alec Empires The Destroyer, Abul Mogard und dem österreichische Duo Kutin/Kohlberger.

Komm! ins Offene, Freund!

Friedrich Hölderlin/Hanns Eisler

Auf freiem Feld

Auch in früheren Epochen gab es Künstler, die einen offenen Umgang mit Genres und Stilrichtungen pflegen, die die sogenannte Hoch- mit der sogenannten Subkultur verbinden, „Ernst“ und „Unterhaltung“ mischen. Oft geht es, sollen Grenzen überschritten werden, aber auch darum, den Rahmen für Kunst und Kultur zu verändern und verschiedene Orte zu nutzen. Ganz bewusst macht sich Heart of Noise verschiedene Umgebungen zu eigen, präsentiert Künstler im Treibhaus, der Bäckerei, dem Cinematograph, im Musikpavillon im Hofgarten, im aut. architektur und tirol und am höchsten Punkt der Stadt und des Pematurms, dem Rooftoop 13. Im kommenden Jahr wird ein weiterer Ort dazukommen: das Haus der Musik, das im Sommer 2018 bezogen wird. Auch dieses soll ein offenes Haus werden, und sicherlich wird Heart of Noise einen wesentlichen Beitrag dazu leisten.

Errorsmith
Tim Hecker
Jlin

Errorsmith (li.), Tim Hecker (re. o.), Jlin
Fotos: Errorsmith, Todd Cole, Madhumita Nandi

Jlin Carbon 7

Heart of Noise 2018

30.05.–02.06.2018
Treibhaus, Die Bäckerei, Cinematograph, Musikpavillon im Hofgarten, aut. architektur und tirol, Rooftoop 13
Heart of Noise 2018

mit
Jlin | Godflesh | Juan Atkins | Alec Empire – The Destroyer | Arpanet | Tim Hecker | Lee Gamble | Errorsmith | The Speaker 

feat.
Valerio Tricoli/Pan Daijing/Werner Dafeldecker | Glenn Underground | Klein | Tomoko Sauvage | Bliss Signal | K&K Kutin/Kohlberger | Tape loop Orchestra | Kassel Jäger | Rrose | Abul Mogard | Marc Baro | Ekin Fil | Pulverine | Zenial | Aaron Stadler | Lissie Rettenwander | Anma | Brttrkller | Christoph Fügenschuh | DJ Katapila | DJ Bleed

www.heartofnoise.at