Der hl. Hieronymus in der Einöde
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

Die Natur bei Cranach

„Cranach natürlich“ ist vom 2. März bis 7. Oktober 2018 Thema einer Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.

Der Maler des Gnadenbildes

Im historischen Tirol und in Bayern kennt man von Lukas Cranach dem Älteren (1472–1553) vor allem ein Bild: das Gnadenbild Mariahilf, das den Altar des Innsbrucker Domes ziert. Cranach malte es nach 1537 für den Hof in Dresden, von dort gelangte es durch den Habsburger Leopold V., ab 1619 Statthalter von Tirol. Seinen Platz im Innsbrucker Dom erhielt es 1650, und noch heute kann man in der Hofburg von einen Balkon im Dom einen Blick auf die Madonna mit dem Kind werfen – ganz so, wie die Regenten ihn während der Kaiserzeit genossen. Seinen großen Bekanntheitsgrad erlangte die Madonna jedoch nicht allein als Originalbild, sondern durch zahlreiche Kopien in Kirchen und an Hausfassaden im Alpenraum.

Gnadenbild Mariahilf
Albrecht als Hieronymus
Luther als Junker Jörg

Lucas Cranachs „Gnadenbild Mariahilf“ hängt im Innsbrucker Dom, „Kardinal Albrecht von Brandenburg als Hieronymus“ im Gehäus im Hessisches Landesmuseum und das „Bildnis Luthers als Junker Jörg“ in Leipzig. 

Natur und Symbolik

Cranach der Ältere wirkte in Dresden ab 1505, in seiner Werkstatt entstanden zahlreiche Porträts der Kurfürsten von Sachsen, in deren Diensten er stand, aber auch von anderen bedeutenden Zeitgenossen wie Martin Luther, mit dem er befreundet war. Unter den vielen religiösen Gemälden Cranachs gibt es mehrere, in denen er den hl. Hieronymus in der Wüste darstellte, anknüpfend an die Episode aus dem Leben des Kirchenvaters, in der er 373 in Syrien als Eremit lebte. Doch hat die „Einöde“ oder „Wüste“ Cranachs nur wenig mit dem verdorrten Land oder den Sanddünen zu tun, die man landläufig unter den Begriffen versteht. „Der hl. Hieronymus in der Einöde“ ist vielmehr von Wald und Fels, von verschiedenen Tieren und Fabelwesen umgeben. Die Ödnis ist leer von Menschen, nicht jedoch von anderen göttlichen Geschöpfen und Fantasiewesen. Sie bilden den Ausgangspunkt für die Ausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, die sich der Natur bei Cranach widmet. Nicht der Porträtmaler steht hierbei im Zentrum, sondern der Darsteller einer Welt, in der naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Symbolik in der Kunst gleichwertig nebeneinander stehen konnten – ein Abbild der Zeit, in der Cranach lebte, und ihrer auch religiösen Fragestellungen. 

Hieronymus in der Einöde
Hieronymus in der Einöde
Hieronymus in der Einöde

Allerlei Getier tummelt sich zu Füßen des „Hl. Hieronymus in der Einöde“ von Lucas Cranach d. Ä.
Bild: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 

Cranach natürlich

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
Cranach natürlich

02.03.–07.10.2018
Di–So, 9– 17 Uhr 
Museumstraße 15
6020 Innsbruck Tel +43.512.59489
sekretariat@tiroler-landesmuseen.at

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