Mathias Klammer
Krimifest Tirol 2018: Mathias Klammer

Der Hofer ist’s

Der Schriftsteller Mathias Klammer hat dem Andi Hofer schon zwei Mordsgeschichten angedichtet. Am 16. Oktober 2018 liest er beim Krimifest Tirol im vitalpinum in Osttirol. Ein Gespräch. Text: Esther Pirchner
Bild: Arne Müseler, emons Verlag

„Die Tote aus Salzburg“ heißt der zweite Krimi, den der junge Autor Mathias Klammer rund um seine Hauptfigur Andi Hofer – und um eine ganze Reihe von fast ebenso wichtigen „Neben“-Charakteren – gebaut hat. Beim Krimifest Tirol, dem größten Krimifestival in Österreich, liest der gebürtige Osttiroler mit Lebensmittelpunkt Salzburg im vitalpinum in Thal/Assling aus dem Buch. Kultur.tirol sprach mit ihm über das Schreiben und Lesen, über Figuren und Orte – und davon, warum er sich nach mehreren anderen Veröffentlichungen dem Krimigenre zugewandt hat.

Herr Klammer, Sie haben schon als Kind angefangen, Geschichten zu schreiben. Wussten Sie damals schon: Ich werde Autor?
Es war eine Mischung: So wie andere Leute sagen: Ich werde Polizist oder Feuerwehrmann, habe ich mir schon immer gedacht: Ich würde gerne Journalist werden oder Schriftsteller. Aber ich habe dieses Ziel auch nicht um jeden Preis verfolgt.
Das Schreiben hat mich einfach immer begleitet. Während des Studiums habe ich erstmals versucht, nicht nur eine Kurzgeschichte, sondern einen langen Text zu schreiben. Ich habe mich selbst auf die Probe gestellt, ob ich das kann, und festgestellt: Das funktioniert super!

Lesen Sie auch viel und haben Sie beim Schreiben ein Vorbild?
Ich hatte meistens Phasen, in denen ich zum Beispiel nur Thriller oder nur französische Autoren oder nur Klassiker gelesen habe. Ich merke aber, dass mir die Gegenwartsliteratur mehr zusagt als ältere Bücher. Vorbilder im eigentlichen Sinn habe ich keine, aber es gibt natürlich Literatur, die mich beeindruckt hat. Eine Zeitlang habe ich sehr gerne die Krimis von Jean-Christophe Grangé gelesen, auch wenn sie aus heutiger Sicht etwas langatmig sind. Auch die Harry-Potter-Bücher haben mich geprägt. Ich habe mir gedacht: So Geschichten erzählen zu können, solche Welten zu erschaffen und die Zusammenhänge im Blick zu behalten, das ist schon die Champions League.

Mathias Klammer

Autor Mathias Klammer … 

Klammer Salzburg

… und sein neuester Krimi: Die Tote aus Salzburg.

Das Langatmige ist ohnehin nicht Ihre Sache: Sowohl als Schriftsteller als auch als Texter in einer Werbeagentur pflegen Sie einen knappen und prägnanten Stil.
Ich habe mich auch an langen Sätzen versucht, aber dann habe ich mich selbst gelangweilt (lacht). Man hat schon einen Stil, der immer wieder herauskommt. Den kann man manchmal ein wenig zurückdrehen, damit es nicht eintönig wird, aber ich finde es auch cool und wichtig, seinen eigenen Stil zu haben.

Das literarische Schreiben und das werbliche Texten sind ganz unterschiedliche Zugänge zum Text. Beeinträchtigen sich diese verschiedenen Arten zu schreiben?
Nein, eher ist es ein Von-einander-Lernen. Natürlich ist es eine Zeitfrage: Zum literarischen Schreiben habe ich neben meiner Arbeit in der Agentur nur am Abend, an Wochenenden und im Urlaub Zeit. Aber es funktioniert gut, die Arbeit in der Agentur gefällt mir und sie verschafft mir auch eine gewisse Freiheit, weil ich weiß: Wenn es einmal gerade nicht geht, dann muss ich nicht schreiben.

Sie haben, bevor Sie Krimis zu schreiben begonnen haben, auch andere Romane und einen Erzählband veröffentlicht. Hat Sie das Thema Krimi auch damals schon gereizt?
Ja. Ich mag es schon, wenn es unter der Oberfläche eine gewisse Spannung gibt. Das macht für mich einen großen Reiz aus bei einem Text.

An Ihren Figuren fällt auf, dass sie sehr genau gezeichnet sind.
Es ist mir wichtig, dass nicht nur die Hauptfigur dreidimensional ist, sondern dass auch die Nebenfiguren Raum bekommen. Es hilft mir beim Aufsetzen der Geschichte und macht mir die Figuren auch sympathischer. Wenn sie viel hergeben, ist es auch einfacher, eine Geschichte weiterzuschreiben. Sobald ich den Fokus auf eine andere Person verschiebe, ergibt sich sofort eine andere Perspektive und ich habe einen größeren Freiraum beim Schreiben. Ich bin auch ein wenig stolz darauf, wie mir die Figuren in den Hofer-Krimis gelungen sind. Ich mag die schon sehr.

ich habe mich auch an langen Sätzen versucht, aber dann habe ich mich selbst gelangweilt.

Mathias Klammer, Krimiautor

Der Krimiautor Joe Fischler, dessen Hauptfigur Veilchen auch eine starke Persönlichkeit ist, hat erzählt, dass seine Figuren irgendwann ein Eigenleben entwickeln. Kennen Sie diesen Effekt auch?
Das kann ich nur bestätigen. Ich gehöre nicht zu den Autoren, die eine Geschichte genau durchplanen und schon zu Beginn wissen, was auf Seite 100 passiert. Manchmal denke ich zwar, so zu schreiben wäre gescheiter – aber dann macht es meistens nicht so viel Spaß.
Mittlerweile habe ich ein gutes Gespür dafür, was funktioniert. Wenn ich merke, dass sich eine Geschichte entwickelt, ist das total spannend. Bis jetzt war es noch bei jedem Buch so: Es ist nie so ausgegangen, wie ich es mir am Anfang mal gedacht habe.

Muss man dann nicht besonders darauf achten, sich nicht in Widersprüche zu verstricken?
Ja, sicher. Ich gehe immer wieder zurück an den Start und achte auch auf kleine Details: Eine Figur, die am Anfang dunkle Haare hat, kann nicht plötzlich blond sein. Fehler passieren natürlich trotzdem, aber ich habe dankenswerterweise auch eine sehr gute Lektorin. Dieses Zusammenspiel zwischen Autor und Lektor ist sehr wichtig, um den Text wirklich auf eine höhere Ebene zu bringen.

Von der Lektorin komme ich natürlich gleich auf den Verlag: Ihre beiden Krimis „Der Hofer und der letzte Schnee“ und „Die Tote aus Salzburg“ sind im emons Verlag erschienen, der auf Krimis mit regionalem Bezug spezialisiert ist. Ist Ihnen dieses Lokalkolorit wichtig oder empfinden Sie es eher als Notwendigkeit, um ins Verlagsprogramm zu passen?
Es ist etwas, was Bezug schafft, womit man sich identifizieren kann. Das mögen Leser sehr gerne und es hilft mir auch bei der Gestaltung der Figuren. Aber es gab vom Verlag keine Vorgabe, welche Plätze vorkommen sollten oder wie viel Lokalkolorit ich in den Krimi packen sollte.

Der Minimalismus der Dinge
Nicht hier, nicht jetzt
Ein guter Tag zum Fliegen

Bevor er sich im Krimifach betätigte, veröffentlichte Mathias Klammer zwei Romane und einen Erzählband.

Die Bücher spielen in Salzburg und Gastein. Warum?
Ich werde ab und zu gefragt, warum ich über Salzburg und nicht über Osttirol schreibe. Da ich derzeit in Salzburg arbeite und lebe und die meiste Zeit des Jahres hier verbringe, ist es einfacher und authentischer, über Plätze zu schreiben, über die man quasi jeden Tag geht. Gastein hat mich schon als Kind sehr beeindruckt, wenn wir mit dem Zug daran vorbeigefahren sind. Es kann aber sein, dass der dritte Andi-Hofer-Krimi – wenn es einen gibt – in Osttirol spielt oder in Innsbruck. Da ist alles möglich.

Tirolerisch liest sich auf jeden Fall der Name Ihrer Hauptfigur: Andi Hofer. Zufall oder bewusste Wahl?
Ich bin auf meinem Arbeitsweg immer an einem Lokal namens Weinstube Andi Hofer vorbeigekommen. Es hat lange gedauert (lacht), aber irgendwann hat sich das so ergeben, dass ich mir dachte: Das wär' doch eigentlich der perfekte Name für eine literarische Figur.

Im Rahmen des Krimifest Tirol lesen Sie am 16. Oktober in Osttirol. Ist das ein besonderes Ereignis für Sie?
Lesungen in Osttirol sind immer etwas Besonderes, ich habe auch schon auf Schloss Bruck in Lienz und an anderen Orten gelesen. Im vitalpinum sind noch zwei andere Autoren dabei, Joe Fischler und Thomas Baum. Das ist immer sehr fein, wenn Kollegen dabei sind, dann macht's gleich noch mehr Spaß. Trotzdem bin ich vor Lesungen immer ein wenig nervös und bereite mich gut vor – das gehört ganz einfach dazu.

Stichwort: nächster Krimi. Schreiben Sie schon an einem neuen Buch?
Momentan habe ich eine Schreibpause, das ist immer so, wenn ein Buch fertig ist. Nach dem ersten Buch dachte ich, vielleicht schaff' ich das nie mehr wieder, so ein Buch zu schreiben. Aber inzwischen weiß ich schon: Irgendwann juckt es mich wieder und dann entsteht ganz plötzlich die nächste Geschichte. Ob das ein Krimi wird oder eher in Richtung Thriller geht, weiß ich noch nicht. Ich weiß ja nicht einmal innerhalb einer Geschichte, was als Nächstes passieren wird (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch.

Mathias Klammer

Lesung: vitalpinum, 16.10.2018, 19.30 Uhr

bisher erschienen:
im Emons-Verlag:
„Die Tote aus Salzburg“ (Kriminalroman/2018)
„Der Hofer und der letzte Schnee “ (Kriminalroman/2016)
im Arovell-Verlag:
„Ein guter Tag zum Fliegen“ (Roman/2014)
„Nicht hier, nicht jetzt“ (Erzählungen/2012)
„Der Minimalismus der Dinge“ (Roman/2011)
Weitere Publikationen in Literaturzeitschriften

www.em-ka.at
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