Mariae Verkündigung
„Mal mir den Himmel!“ auf Schloss Bruck

Bilder in Schichten

Vom 19. Mai bis 26. Oktober 2018 stehen Freskenmalerei und Simon von Taisten im Mittelpunkt einer Sonderausstellung auf Schloss Bruck in Lienz.

Schloss Bruck

Schloss Bruck in Lienz zählt nicht nur zu den größten und schönsten Burganlagen der Region, hinter seinen Mauern befinden sich auch zahlreiche Schätze. Immer sehenswert ist die große Sammlung an Egger-Lienz-Gemälden, die zudem ausgezeichnet in Szene gesetzt sind. Besonders eindrucksvoll ist aber auch die zweistöckige Schlosskapelle, deren Wände dicht mit Fresken des spätgotischen Tiroler Malers Simon von Taisten (1450/1455–1515) bedeckt sind. Hier kann man sich in Darstellungen von Legenden ergehen, Unterstützung von den 14 Nothelfern erbitten – Heiligen, denen Hilfe für ganz bestimmte Leiden und Unbill zugeordnet ist –, das Grafenpaar betrachten oder die wertvollen Stoffe und Fahnen studieren, die – ebenfalls gemalt – die dargestellten Szenen umrahmen. Diese Fresken sind Ausgangspunkt der sommerlichen Sonderausstellung 2018: „Mal mir den Himmel! Simon von Taisten und sein Werk auf Schloss Bruck“

Die Wandmalereien auf Schloss BRuck sind eine wichtige Quelle für unser Wissen über damalige Kleidung, Frisuren und Stoffe in der Region.

Ausstellungstext zu „Mal mir den Himmel!“

Wie entsteht ein Fresko?

Eine Frage, die sich angesichts der Frische der Farben und der Kraft der Darstellung dieser mehr als 500 Jahre alten Bilder stellt, ist jene danach, wie solche Werke erstellt wurden. Welche Maltechnik kam zum Einsatz? Wer arbeitete an diesen Bildern? Welche Farben wurden verwendet? Was lässt sich aus den Darstellungen über die Entstehungszeit herauslesen? In der Ausstellung rückt das Museum nun genau diese Hintergründe der Entstehung in den Fokus, und dies ebenso informativ wie kurzweilig.

Schutzmantelmadonna

Unter dem Schutzmantel der Madonna sammeln sich die Gläubigen – eine von vielen Darstellungen in der Kapelle von Schloss Bruck, durch die den Betrachtern im Mittelalter christliche Legenden vermittelt werden sollten. Foto: Museum Schloss Bruck

Tagwerk: einige m2 Bild

Bei Simons Bildern an den Wänden der Schlosskapelle kam die Technik der Freskomalerei zum Einsatz, also das Malen auf feuchtem Kalkputz. Dazu wird in mehreren Schichten gearbeitet: Auf Mörtel und Grobputz werden die Bilder in Umrissen skizziert, darauf kommt eine dünne Schicht Feinputz, die den eigentlichen Malgrund für Unterzeichnungen, geritzte Konstruktionslinien und schließlich das Gemälde bildet. Zum Schluss werden Farben, die im feuchten Putz nicht haltbar sind, sowie Gold- und andere Metallfolien aufgetragen. Außer dem letzten Schritt, der auf getrocknetem Putz ausgeführt wird, muss also das Gemälde fertiggestellt werden, solange der Putz noch feucht ist. Für die Maler bedeutete das, sich die Arbeit für jeweils einen Tag einteilen zu müssen und nur so viel Fläche zu verputzen, wie an diesem Tag bemalt werden konnte. Die Kapelle auf Schloss Bruck etwa wurde in vierzig Tagwerken ausgestaltet, und bis heute sind die Linien zwischen den einzelnen Abschnitten zu sehen.

Simon von Taisten Farben
13 Farben …

verwendete Simon von Taisten für die Fresken in der Schlosskapelle.

Farben aus Mineralien
Pulver und Flächen

Für die Farben wurden Mineralien zu Pulver zerstoßen und mit Wasser und Bindemitteln vermischt. Erst dann konnten sie auf die Wand aufgetragen werden. 

Studien zum Fresko
Der Weg zum Fresko

Studien zur Freskenmalerei zeigen in „Mal mir den Himmel!“, wie aus Farbe, Putz und Metallfolien ein Gemälde entsteht. 

Studien zum Fresko
Entwurf und Ausführung

Von der Skizze auf Grobputz bis zum fertigen Bild durften die Maler nur einen Tag brauchen. Rasches Arbeiten war notwendig. 

Schnelle Meister

Dass bei aller Schnelligkeit, mit der die Künstler arbeiteten, ein solches Werk von einem alleine nicht zu bewältigen war, sondern dass es eine ganze Werkstatt an Handwerkern brauchte, ist nur eine von vielen Erkenntnissen, die man aus der Ausstellung rund um die Freskomalerei gewinnt. Von den Gehilfen, die die Farbsteine zu Pulver vermahlten und die Malfarben aufbereiteten, über die Maurer, die den Putz auftrugen, bis zum Meister, der Gesichter, Hände und Haare malte, und den Malgehilfen und Vergoldern, die die übrigen Bildteile ausgestalteten, umfasste eine Werkstatt viele Personen, die gut abgestimmt zusammenarbeiteten, um ein Fresko zu vollenden.

Simon von Taisten Farbe
Fresko-Studie
Fresko von Simon

Wie aus den mineralischen Farbstoffen Schicht um Schicht das fertige Fresko entsteht, zeigen Studien in der Ausstellung.
Fotos: Pirchner/Museum Schloss Bruck/Gaggl

Farben, Pinsel, Porträts

In der Ausstellung „Mal mir den Himmel!“ wird zudem auf viele andere Aspekte der Freskomalerei eingegangen. Die Ende des 15. Jahrhunderts zur Verfügung stehenden Farben und Werkzeuge sind in zwei Räumen aufbereitet. 13 verschiedene Mineralien, die – zu Pulver vermahlen – mit Wasser und Bindemitteln angerührt wurden, verwendete Simon von Taisten als Farben. Werkzeuge waren oft einfach, aber so funktional, dass sie bis heute in kaum veränderter Form verwendet werden. Wie die Bilder dann Schicht für Schicht gestaltet wurden, zeigen eigens für die Ausstellung erstellte Malstudien zu den vorhandenen Fresken. Welche Restaurierungsschritte in früheren Zeiten gesetzt wurden und wie sich heutige Erhaltungsarbeiten von den damaligen unterscheiden, ist ebenso Thema wie die Protagonisten der Wandgemälde, etwa die zugrundeliegenden Heiligenlegenden oder die Darstellung des Schlossherrenpaares Paola von Gonzaga und Leonhard von Görz in den Bildern.

 So entsteht ein umfassendes Bild von Kunstwerk und Technik, Auftrag und Umständen, das detailreich über Zeit und Maler Auskunft gibt – eine gelungene „Anleitung“ dazu, die Wandmalereien in der Schlosskapelle von Schloss Bruck und in anderen Kirchen und Schlössern mit anderen Augen zu sehen.

Mal mir den Himmel!

Simon von Taisten und sein Werk auf Schloss Bruck
Schloss Bruck

Schloss Bruck. Foto: Ch. Gaggl

19.05.–26.10.2018
Juli/August: täglich 10–18 Uhr
September/Oktober: Di–So 10–16 Uhr

Museum Schloss Bruck
Schlossberg 1
9900 Lienz
Tel. +43.4852.62580
museum@stadt-lienz.at
 

Schloss Bruck
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