Anna Fusek
Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Bewegte Welten

Alte Musik erklingt vom 17. Juli bis 27. August 2018 bei den Ambraser Schlosskonzerten und Innsbrucker Festwochen. Foto: Felix Broede

Die ganze Welt ist vernetzt

Es wird eine italienische Reise, die Festwochenleiter Alessandro De Marchi für die Innsbrucker Festwochen und die Ambraser Schlosskonzerte 2018 zusammengestellt hat: quer durch einige der wichtigsten Zentren der italienischen Musik der Renaissance und des Barock, durch Neapel, Rom und Venedig. Selbstverständlich behält er dabei auch im Blick, dass die damalige Welt enger vernetzt war, als mancher heute meinen möchte, und diese italienischen Zentren auch mit anderen künstlerisch wichtigen Orten jener Zeit in Kontakt standen. Der Ausstrahlung, die einzelne Personen, Künstlergruppen oder ein Hof mit seinen berühmten Gästen auf andere hatten, wird bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik daher besonderes Augenmerk geschenkt. Das Motto des diesjährigen Programms „Bewegte Welten“ bezieht sich auf diese Wirkungen und Wechselwirkungen in der Musik.

Neapel im 16. Jahrhundert

Neapel, gemalt von Carlo Bossoli, Mitte des 19. Jahrhunderts

Von Neapel in die Welt

Das gilt zunächst für die Opern: Hier ist ein Dreh- und Angelpunkt der Librettodichter Pietro Metastasio (1698–1782), der unter anderem in Neapel und Wien wirkte. Vor allem in Neapel lernte er viele berühmte Opernkomponisten kennen und verfasste Libretti für sie. Darüber hinaus bildeten Texte Metastasios in ganz Europa die Grundlage für Opern, und das weit über seinen Tod hinaus. Ein Beispiel dafür ist sein erstes Libretto, jenes zu „Didone abbandonata“ („Die verlassene Dido“), das 1724 in Neapel erstmals mit Musik von Domenico Sarro aufgeführt und in der Folge von mehr als zwei Dutzend weiteren Komponisten vertont wurde. In Innsbruck ist eine Oper Giuseppe Saverio Mercadantes vom Anfang des 19. Jahrhunderts nach Metastasios Libretto zu hören, inszeniert von Jürgen Flimm und unter der musikalischen Leitung von Alessandro De Marchi.

Petro Metastasio

Texte von Pietro Metastasio (1698–1782, Porträt von Martin van Meytens) wurden über Jahrhunderte immer wieder in Opern vertont.

Die Opern

Einer der Komponisten, dem Metastasio in Neapel begegnete, war der aus Norddeutschland stammende Johann Adolph Hasse, der mit seiner Übersiedelung nach Neapel auch gleich den italienischen Opernstil übernahm. Er ist mit der Serenata „Semele“ bei den Innsbrucker Festwochen vertreten, Hasses Lehrer Domenico Scarlatti, der wie Metastasio dem Kunstzirkel Accademia dell’Arcadia angehörte, mit dem in Rom entstandenen Oratorium „Davidis pugna e victoria“. Aus Venedig kommen Francesco Cavallis Oper „Apollo e Dafne“, die die Preisträger des Cesti-Wettbewerbs 2017 bei der Barockoper:Jung aufführen, und selbstverständlich viel Musik von Antonio Vivaldi, der rund hundert Jahre nach Cavalli in Venedig wirkte.

,Vedi Napoli e poi muori!‘ sagen sie hier. ,Siehe Neapel und stirb!‘

Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise, 2. Teil, Neapel, 3.3.1787

Jacobus Stainer und seine Geigen

Von Cavalli und Vivaldi, der nicht nur herausragender Komponist, sondern auch virtuoser Geiger war, lassen sich wiederum Brücken zu einem Zeitgenossen Cavallis schlagen: zum Absamer Jacobus Stainer, der die wundervollsten Geigen gebaut hat – Instrumente, die damals gefragter waren als jene der heute so berühmten oberitalienischen Geigenbauer. Und damit sind wir auch schon bei den Ambraser Schlosskonzerten angelangt, traditionell die ersten Konzerte Alter Musik im Innsbrucker Musiksommer. Denn bei diesen spannt beispielsweise unter dem Titel „Nordkette und Vesuv“ die Prager Flötistin und Geigerin Anna Fusek einen Bogen von Tirol nach Neapel.

Sara Maria Saalmann
Cello von Jacobus Stainer
Viktorija Miskunaite

In der Oper spielen Frauen die erste Geige: Sara-Maria Saalmann singt Dafne in „Apollo e Dafne“ (li.), Viktorija Miskunaite die verlassene Dido (re. u.). Im Konzert steht u. a. der Geigenbauer Jacobus Stainer im Mittelpunkt (Cello aus dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum)

Fotos: Frank Wartenberg/TLMF/Monika Penkute

Mit MusikerInnen von überall her

So zeigt sich an allen Ecken und Enden des Programms, wie sehr die „Welten“ des 16. bis 19. Jahrhunderts in Bewegung waren und wie eng sie miteinander in Beziehung standen. Dem entspricht selbstverständlich auch die Auswahl der Solisten und Ensembles, die aus allen Weltgegenden nach Innsbruck reisen, um die Alte Musik originalgetreu, aber dabei frisch und lebendig zu interpretieren.

Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

17.7.–27.8.2018
Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Festwochenleiter Alessandro De Marchi
Foto: Thomas Schrott

Herzog-Friedrich-Straße 21/1 
A-6020 Innsbruck
Tel. +43 512 53560 
festwochen@altemusik.at                             

Zum Programm
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