Isabell Duthoit. Foto: Cetriolo
Festival artacts für Jazz und Improvisation

Freies Spiel

Ein Festival wie keines – in St. Johann in Tirol treffen sich vom 9. bis 11. März 2018 Improvisatoren und Publikum aus aller Welt. Esther Pirchner

Im Zentrum: das Unvorhersehbare

Dass St. Johann in Tirol jedes Jahr im März ein Anziehungspunkt für internationales Publikum mit außergewöhnlichem Geschmack ist, liegt ausnahmsweise weniger an Schnee und Pisten, als vielmehr daran, dass man hier in kurzer Zeit einen erstaunlichen Querschnitt der musikalischen Avantgarde zu sehen bekommt: Drei Tage lang bespielen Solisten und Ensembles auf Einladung der Musik Kultur St. Johann den Konzertraum der Alten Gerberei und andere Veranstaltungsorte mit Musik, die vom Unvorhersehbaren, von Energie und Experiment lebt, aber auch davon, Klängen nachzugehen und ruhige Töne wirken zu lassen. Ganz besonders geht es um Begegnung und Austausch, um die Neugier auf anderes und darum, eine gemeinsame Stimme zu finden. Im Programm 2018 spielt dabei das neue Projekt Entr’acte eine wesentliche Rolle – ein großes Ensemble, das auf Initiative des US-amerikanischen Saxophonisten und Klarinettisten Ken Vandermark entstanden ist. Die zehn Musiker, die er dazu eingeladen hat, treten bei artacts ’18 alle auch in anderen Formationen auf – größeren und kleineren – und schaffen so ganz unterschiedliche Klangräume.

Ken Vandermark. Foto: Petra Cvelbar
Dieb13. Foto: Werner Krepper
Hawkins Mitchener Quartet. Foto: David Laskowski

Ken Vandermark (l.) spielt mit Musikern wie Dieb13 (re.o.), die britische Avantgarde ist mit dem Hawkins-Mitchener-Quartet (re.u.) bei artacts '18 vertreten. Fotos: Petra Cvelbar/Werner Krepper/David Laskowski

Sich formieren – Entr’acte

Vandermark zählt nicht nur zu den zentralen Figuren dieses Festivals, sondern ist eines der umtriebigsten Mitglieder der Avantgarde-Szene überhaupt. Mit den Musikern, die er zu Entr’acte eingeladen hat, arbeitet er seit mehreren Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen, einige dieser Bands sind auch bei artacts zu hören. Entr’acte hat er um das Trio mit der Pianistin Elisabeth Harnik und dem Schlagzeuger Didi Kern gebildet. Wer 2017 artacts besucht hat, wird sich an das intensive gemeinsame Musizieren der drei erinnern. Didi Kern bildet zudem ein Duo mit dem Elektroniker Dieb 13, Elisabeth Harnik findet auch mit dem Zitherspieler Martin Mallaun und dem Tubisten Melvyn Poore zusammen. Vandermark trifft auf den E-Gitarristen Terrie Hessels, und tritt in der Band Shelter mit dem anderen E-Gitarristen des Großprojekts Jasper Stadhouders, dem Trompeter Nate Wooley und dem Drummer Steve Heather auf.

Wiesnermühle. Foto: K. Cetriolo
Elisabeth Flunger. Foto: Kurt Hoerbst
Ang´lica Castelló. Foto: Raina Moslam

Frauen sind bei artacts stark vertreten: Elisabeth Flunger (o.) inszeniert die Wiesnermühle (li.), Angélica Castelló spielt mit Isabelle Duthoit (ganz oben) und Sophie Agnel auf. Fotos: Kurt Hoerbst/Raina Moslam/K. Cetriolo

Allein im Konzert

Die Liste ließe sich fortsetzen – doch artacts ’18 hat auch noch abseits dieses Kernprojekts viel zu bieten: Rein musikalisch spannt sich der Bogen von zwei Solokonzerten der jungen Dänin Mette Rasmussen (Saxophon) und des Kontrabassisten Joe Williamson über das nach japanischen Haikus auf Gitarre und Cello musizierende Duo Andrea Massaria und Clementine Gasser bis hin zur Kooperation des „knallbunten“ Trios Oliwood mit dem großartigen E-Bassisten Trevor Dunn, der im Jazz ebenso beheimatet ist wie im Heavy Metal. Performerin Elisabeth Flunger macht aus der Wieshofer Mühle einen Klangraum, in den Sound Cabs am Hauptplatz kann man sich sein persönliches  Micro-Konzert anhören, und Kinder lernen in einem Workshop mit Melvyn Poore, wie man improvisiert. Nicht zuletzt wird artacts von der Ausstellung „Sweet Addiction“ der Fotografin Petra Cvelbar begleitet, die über die Konzertfotografie ihr Erleben von Musik mit anderen teilt. 

Hier jede einzelne Veranstaltung aufzulisten, würde zu weit führen, denn genau genommen geht es bei artacts ohnehin mehr darum, sich auf diese drei Tage von Jazz und Improvisation einzulassen und die erstaunliche Vielfalt zu genießen, viel Neues zu hören und die Freiheit der Kunst aus erster Hand zu erleben.

artacts ’18

9. bis 11. März 2018
Alte Gerberei und andere Orte
in St. Johann in Tirol
Ken Vandermark. Foto: Werner Krepper

artacts – Verein zur Förderung Improvisierter Musik in St. Johann in Tirol 
Lederergasse 5
6380 St. Johann in Tirol  | Austria
Tel. +43.5352.61284
E-Mail: info@artacts.at

www.artacts.at
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